wrapper

Breaking News

Von Victoria Harling, Portfoliomanagerin bei Investec Asset Management

Liegt das Renditeniveau in der Assetklasse Emerging Markets Corporate Debt im Bereich zwischen 5,5 und 6 Prozent, lohnt es sich, über einen Einstieg nachzudenken.

Das trifft im Moment zu, ideal also, um sich näher mit dem Thema Emerging Markets zu beschäftigen. Generell gilt bei Emerging Markets, dass es sich hierbei um ein extrem vielfältiges Anlageuniversum handelt, das zahlreiche Diversifizierungsmöglichkeiten bietet und in letzter Zeit auch mit sich verbessernden Schuldenkennzahlen aufweisen kann. Zudem weisen Unternehmensanleihen im direkten Vergleich zu Staatsanleihen in Hartwährung ein geringeres Durationsrisiko auf.

Die Anlageklasse Emerging Markets Unternehmensanleihen ist dabei verlässlicher und vielfältiger, als manch einer denkt. Gegen Jahresende 2016 bestand das Anlageuniversum aus 536 Unternehmen in 12 Geschäftsfeldern und in 51 Ländern. Zudem handelt es sich bei den Unternehmen oft um günstig bewertete und global agierende Konzerne mit entsprechend breit diversifizierten Erlösströmen.


Kreditzyklus: Große Unterschiede zwischen LatAm und Asien

In Lateinamerika sind Unternehmen mittlerweile laut Marktkonsens am Tiefpunkt im Kreditzyklus angelangt, für das zweite Halbjahr 2017 wird hier mit einer Verbesserung gerechnet. In Asien hingegen stehen die Unternehmen auf dem Höhepunkt des Zyklus und werden sich dort dank guter Konjunktur wohl auch noch eine Zeit lang halten können. Allerdings werden dort restriktivere Kreditrichtlinien und eine wachsende Verschuldung wahrscheinlich, so dass in der Gesamtbetrachtung Lateinamerika sogar die besseren Aussichten hat.

Seit 2014 sind die Ausfallquoten im Bereich High Yield leicht gestiegen, was auch einer allmählich zunehmenden Verschuldung zuzuschreiben ist. Insgesamt liegt der Anstieg aber immer noch unter dem US High Yield-Niveau. Betrachtet man den Verschuldungsgrad im historischen Kontext, sind die Risiken jedoch überschaubar. Vor allem sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass große Unternehmen in den Emerging Markets einen ebenso guten, wenn nicht sogar besseren Zugang zu Krediten haben, als Unternehmen in Industriestaaten. Daher sehen wir zumindest für das kommende Jahr keine Refinanzierungsrisiken.


Beide Risikofaktoren für Emerging Markets liegen in den USA

Die beiden größten Gefahren für Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets sind außerhalb der Emerging Markets, nämlich in den USA zu verorten. Das wäre einmal ein zu erwartender Anstieg der Renditen bei US-Staatsanleihen. Des Weiteren könnten sich die protektionistischen Pläne des neuen US-Präsidenten Donald Trump negativ auf die Emerging Markets auswirken, sollte er seinen Ankündigungen in die Tat umsetzen wollen. Da beide Ereignisse jedoch zumindest als Möglichkeit schon bekannt sind, sind diese auch in den Markt bereits eingepreist und bieten sich aktuell den Investoren als Risikoprämie an, die vereinnahmt werden kann.

Hinzu kommt, dass Trump schon einige seiner Ankündigungen aus Wahlkampfzeiten kassiert oder abgeschwächt hat, so dass man mit weniger drastischen Auswirkungen auf die Emerging Markets rechnen kann. Was die US-Staatsanleihen betrifft, so halten wir einen starken Renditeanstieg für übertrieben optimistisch, zu unklar sind die Auswirkungen der Politik des neuen US-Präsidenten auf Wachstum und Inflation in den USA.


Droht eine Aufhebung des NAFTA?

Trumps wichtigstes Wahlziel war die Neuverhandlung bestehender Handelsverträge. Eine komplette Aufhebung des NAFTA gilt jedoch als unwahrscheinlich, da dies schwerwiegende Risiken für die US-Wirtschaft nach sich ziehen würde. Die USA verfügen kurzfristig weder über ausreichend Fachkräfte noch über die geeignete Infrastruktur, um die verarbeitende Industrie kurzfristig in die USA zurück zu locken. Auch Zölle, beispielsweise für Importe aus Mexiko, würden zu steigenden Importkosten und sinkenden Reallöhnen im produzierenden Gewerbe führen.

Allenfalls wären Neuverhandlungen denkbar, um an einigen Stellen Vorteile für die USA zu schaffen. Mexikanische Unternehmen schätzen die Lage sogar so ein, dass sie trotz Importzölle noch wettbewerbsfähig genug bleiben könnten. Dies alles ist zudem vor dem Hintergrund zu sehen, dass Standortpolitik grundsätzlich langfristig ausgelegt ist und gar nicht kurzfristig politische Entscheidungen umsetzen kann.

Gastautorin: Victoria Harling

Victoria Harling ist Portfolio Manager bei Investec AM und dort zuständig für den Bereich Emerging Market Corporate Debt.