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Von Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer der Ginmon GmbH

Unter Emerging Markets stellen sich viele unterentwickelte Länder vor: Diktatoren in bunten Fantasieuniformen, Korruption, Krieg und Wüste. Einige dieser Klischees stimmen tatsächlich. Warum sollte man gerade dort sein Geld anlegen?

Gerade Schwellenländer bieten Investmentmöglichkeiten, auf die man nicht leichtfertig verzichten sollte. Im Gegenteil: Würde man Schwellenländer aus seinem Anlageuniversum ausschließen, würde man sein Spektrum ohne Not einengen und damit seinen Diversifikationsradius verringern. Das kostet Rendite.

Natürlich gibt es Anlagestrategien, die versuchen, durch Analyse bestimmter Märkte herausragende Marktkenntnisse zu erlangen und damit anstreben, besser als der Markt zu sein. Studien haben jedoch gezeigt, dass Outperformances hauptsächlich dem Zufall geschuldet sind. Je länger der untersuchte Zeitraum ist, desto mehr lichten sich die Reihen der aktiven Fondsmanager, die den Markt schlagen konnten. Genau das sollte die erste Kenntnis eines Anlegers sein: Der Markt kann ebenso wenig geschlagen werden, wie es unmöglich ist, zukünftige Ereignisse vorherzusagen: Und darin unterscheiden sich Emerging Markets keinesfalls von den entwickelten Märkten: Wo in Entwicklungsländern eventuell die Gefahr eines Staatsstreichs besteht, können sich Disruptionen von vergleichbarem Ausmaß durchaus auch in entwickelten Ländern zeigen: Ob Brexit, US-Wahlen oder Europäische Finanzkrise: Entwickelte Märkte sind keinesfalls berechenbarer als sich entwickelnde Märkte.

 

Mit Emerging-Market-ETFs den Markt abbilden

Emerging Markets gelten zwar als schwerer zugänglich; dieses Problem wurde durch die Exchange-traded funds, kurz ETF jedoch gelöst. Es ist also noch nicht einmal notwendig, sich selbst Marktkenntnisse zu verschaffen. Es reicht, einen Emerging-Market-ETF zu kaufen, der den Markt komplett abbildet. Egal, welches Land besonders erfolgreich ist und wo es eher Probleme gibt: Der Emerging-Market-ETF folgt dem Index und bildet damit den Markt effizient ab. ETFs, die sich z.B. an dem Indexanbieter MSCI orientiert haben, sind aktuell etwa zu 27 Prozent in China investiert, gefolgt von Südkorea (16 Prozent) und Taiwan (12 Prozent). Diese Prozentzahlen können sich natürlich – je nach Marktlage – ständig ändern. Der Investor ist mit einem ETF also automatisch immer in den erfolgreichsten Titeln investiert, die der Markt gerade hergibt. Im Vergleich zum MSCI World Index können sich die Renditen der Emerging Markets durchaus sehen lassen: Während der MSCI World zwischen 1996 und 2015 eine jährliche Durchschnittsrendite von 6,2 Prozent erwirtschaftete, konnte beispielsweise der Dimensional Emerging Markets Value Index (EUR) einen Wert von 11,8 Prozent erzielen. Die Emerging Market Indizes waren im Vergleichszeitraum die einzigen mit zweistelligen Durchschnittsrenditen.

Natürlich wäre das alleinige Anlegen in den Emerging Markets zu riskant. Sie sind ein – wenn auch unverzichtbarer – Baustein von vielen innerhalb des Anlageuniversums eines digitalen Vermögensverwalters. Aus wissenschaftlicher Sicht empfiehlt sich das Dreifaktorenmodell von Kenneth French und Eugene Fama. Die Portfoliotheoretiker hatten bereits 1993 festgestellt, dass die drei Faktoren Marktrisiko, kleine Marktkapitalisierung und hoher Buchwert zu 90 Prozent zur Portfoliorendite beitragen. Fama wurde 2013 für seine Forschungsbeiträge mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Für den Anleger bedeutet das: Anlagestrategien, die diese Faktoren berücksichtigen, erhöhen signifikant die Chancen für Erträge.

 

Emerging Markets unverzichtbarer Bestandteil des Weltindex

Da auf der anderen Seite jeder Faktor auch mit Risiken verbunden ist, sollten diese auf einer möglichst breiten Basis diversifiziert werden. Genau das ist die Idee eines Weltindex. So werden die Faktorrisiken auf Aktien und Anleihen gleichmäßig in der ganzen Welt verteilt. Je höher die Verteilung, desto geringer das Risiko. Aus dem Grund stellen Emerging Market-ETFs selbst also keinen Risikofaktor dar, sondern sie sind – ganz im Gegenteil – selbst ein Mittel, um Risiken innerhalb eines Weltportfolios zu minimieren. Da alle Märkte ständigen Veränderungen unterworfen sind, ist es notwendig, nach Index-Veränderungen die Anlagebausteine wieder neu zu ordnen (d.h. zu verkaufen oder die Position weiter zu stärken). Diese Transaktionen werden Rebalancing genannt.

Die Auswahl der Titel für das Anlageuniversum sollte dabei nach einem einheitlichen und streng wissenschaftlichen Konzept erfolgen. Es hat sich gezeigt, dass sowohl der Ausschluss von bestimmten Ländern, als auch von bestimmten Branchen – aus welchen Gründen auch immer – diesen wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten kann. Im Gegenteil: Oft verbergen sich dahinter Vorbehalte oder Ängste, also Bauchgefühle, die beim automatisierten Portfoliomanagement ausgeschlossen werden. Genau hierin liegt einer der entscheidenden Vorteile der digitalisierten Vermögensverwaltung: Der Algorithmus kennt keine Emotionen und das macht seine Stärke aus. Gerade bei den als unsicher geltenden Emerging Markets ist es wichtig, langfristig einen kühlen Kopf zu bewahren.

Gastautor: Lars Reiner

Lars Reiner ist Gründer und Geschäftsführer des Frankfurter Fintech-Unternehmens Ginmon, das sich auf digitale Vermögensverwaltung spezialisiert hat.

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