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Mike Hugman, Strategieverantwortlicher bei Investec Asset Management

Brasilien hat als Gastgeberland die olympischen Spiele ohne größere Zwischenfälle gemeistert. Noch Wochen vor der Eröffnungsfeier hat die Situation im Amazonasstaat noch weitaus weniger rosig ausgesehen.

Brasiliens Wirtschaft war in den drei Monaten bis Ende Juni 2016 das fünfte Quartal in Folge geschrumpft. Dieser Zeitraum umfasste die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas wurde unter anderem durch eine politische Krise schwer geschüttelt, was die Suspendierung der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff zur Folge hatte, der man Missmanagement vorgeworfen hatte. Hinzu kam der Ausbruch des Zika-Virus, der allem die Tourismuswirtschaft geschwächt hat. Allein dieser Virus wird für einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um neun Prozent verantwortlich gemacht.

Im Zuge der Vorbereitung auf die olympischen Spiele haben sich jedoch das erste Mal einige ökonomische Wachstumsindikatoren gezeigt. Der neue Präsident Michel Temer, der großen Wert auf Haushaltsdisziplin legt, konnte einige von Roussefs Ausgaben kürzen, die die geschasste Präsidentin als Wahlgeschenk an ihre mehrheitlich linke Wählerschaft initiiert hatte. Temer plant zudem die Einführung einer Ausgabenobergrenze. Weitere Reformen sollen die Ausgaben im sozialen, Bildungs- und Gesundheitsbereich weiter einschränken. Diese Maßnahmen werden helfen, Brasiliens ökonomische Abwärtsspirale abzubremsen.

Sorgen bereiten indes die Verschuldung Brasiliens. Rousseff hatte die die öffentliche Haushaltsverschuldung zuletzt durch steuerliche und andere ökonomische Eingriffe von 52 Prozent im Jahr 2015 auf 67,5 Prozent des BIPs erhöht. Es bleibt abzuwarten, ob der Markt in Hinblick auf die Änderung der fiskalischen Rahmenbedingungen zu optimistisch wird. So waren die implizite Volatilität des Brasilianischen Real und das Kreditausfallrisiko im Juli auf einem Tiefstand angelangt. Brasilianische Vermögenswerte waren während des laufenden Jahres gestiegen, in der Hoffnung, dass Temers Wirtschaftsreformen bald Erfolg zeigen könnten. Nicht nur die Langlebigkeit von Temers Wirtschaftskurs muss sich erst noch beweisen, auch muss sich zeigen, dass die ersten Indikatoren nicht ausschließlich auf einen kurzlebigen Olympia-Effekt zurückzuführen sind.

Auch Ilan Goldfajn, der Präsident der Brasilianischen Zentralbank kann eine erfolgreiche Arbeitsbilanz vorweisen, der mit einer restriktiv ausgerichteten Geldpolitik überraschte, dadurch das Vertrauen in die Zentralbank weiter verbesserte und somit auch dazu beiträgt, die Unabhängigkeit der Regierung weiter zu wahren. Goldfajn scheint sich zudem zum Ziel gesetzt zu haben, die Inflation in Griff zu bekommen. Die jährliche Teuerungsrate betrug zuletzt in Brasilien 8,74 Prozent. Für Juni konnte bereits eine Absenkung auf 8,74 Prozent erreicht werden, vom Ziel der Zentralbank 4,5 Prozent, ist man jedoch noch weit entfernt. Die hartnäckige Inflation geht in Brasilien vor allem auf eine enorme Teuerung der Lebensmittelpreise zurück, allem voran ein unerwartet kräftig steigender Milchpreis. Gründe hierfür sind vor allem schlechte Ernten.

Die Herausforderungen zur Bekämpfung der Inflation haben den Zinssenkungszyklus weiter zurückgesetzt. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass die Zentralbank die Inflationsrate von ihrem derzeitigen Zehnjahreshoch bis zum vierten Quartal dieses Jahres zurückschrauben kann. Die ersten Senkungen sind nicht vor Jahresbeginn 2017 zu erwarten. Wir erwarten einen kumulierten Schnitt von rund 350 Basispunkten, der bereits in Kurzfristanleihen eingepreist sein wird, sich jedoch bei mittelfristigen Laufzeiten durchaus auf die Renditekurve auswirken könnte, so zum Beispiel bei Papieren mit fünfjährigen Laufzeiten. Die Realverzinsung von Anleihen könnte im internationalen Umfeld von derzeit sechs auf fünf Prozent sinken.

Der brasilianische Real erlebte vor dem Hintergrund von Temers Reformen zuletzt einen Anstieg gegenüber dem US Dollar in Höhe von 25 Prozent. Zuletzt hatte Temer der lokalen Presse mitgeteilt, dass er über die Aufwertung des Real besorgt sei, da die Exportwirtschaft darunter leide. Daher wolle er ein Gleichgewicht des Wechselkurses herstellen. Auch Zentralbankpräsident Goldfajn versprach, nur vorsichtig im Devisenmarkt zu intervenieren und ansonsten einen frei fließenden Wechselkurs beizubehalten. Es bestehen gute Anzeichen, dass die brasilianische Wechselkursrate zum Dollar stabil bleiben wird.

Fazit: Vorsichtiger Optimismus ist in Hinblick auf Brasiliens Wirtschaft durchaus angebracht und erlauben daher bereits eine leichte Übergewichtung innerhalb des Lateinamerika-Portfolios. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass Michel Temer kein ökonomisches Wunder vollbringen kann, sieht man die Wirtschaft Brasiliens doch zumindest an einem Umkehrpunkt angelangt, von dem es stetig nur noch aufwärts gehen kann. Wer weiß, vielleicht vermag das ökonomische Nachglühen nach den olympischen Spielen das Vertrauen in die brasilianische Wirtschaft wiederherstellen.

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Gastautor: Mike Hugman

Mike Hugman ist Strategieverantwortlicher im Global Emerging Markets Fixed Income Team von Investec Asset Management.