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Laut dem Wirtschaftswissenschaftler Eduardo Sarmiento droht Kolumbien eine Wirtschaftskrise. Das Land steht wegen der Abwertung der Währung und des vor allem durch rückläufige Exporte angestiegenen Handelsbilanzdefizits vor ernsthaften Schwierigkeiten.

Sarmiento begründet seine pessimistische Sicht in einem Interview mit der ecuadorianischen Nachrichtenagentur Andes damit, dass Kolumbien seine wirtschaftlichen Aktivitäten in den letzten Jahren zu stark auf die Erdölförderung konzentriert hat. Vom ehemals hohen Ölpreis und den dadurch steigenden Einnahmen geblendet, hat man es schlicht verpasst, die Wirtschaft stärker zu diversifizieren. Mehr als die Hälfte der Exporte, die im vergangenen Jahr ein Volumen von 55 Mrd. USD hatten, macht das geförderte Erdöl aus, was im Zuge des Preisverfalls nun zu enormen Einnahmeeinbußen führt.

Zudem wirkt sich die Abwertung der Währung negativ auf die kolumbianische Industrie und die Landwirtschaft aus. Der kolumbianische Peso (COP) verlor in den letzten zwölf Monaten im Vergleich zum US-Dollar zeitweise fast 60% seines Wertes. Aktuell liegt die Abwertung bei über 40% und man erhält für einen Dollar über 2.950 Peso. Die Produkte aus Kolumbien werden somit immer günstiger verkauft, während ausländische Güter zunehmend teurer importiert werden müssen. Dies verstärkt das Handelsbilanzdefizit, das sich mittlerweile auf 7% des Bruttoinlandsprodukts beläuft.

Der Anstieg der Importe, 56,75 Mrd. USD in 2014, dem die Exporte nun trotz ihres niedrigen Preises nicht mehr folgen können, wurde auch durch den wachsenden Wohlstand der Bevölkerung und deren Konsum sowie die elf Freihandelsabkommen verursacht. Die Nachfrage nach billigen Gütern aus dem Ausland, vor allem aus den USA und Europa, hat die Einfuhren erhöht und gleichzeitig die heimische Produktion in Teilen nicht mehr wettbewerbsfähig gemacht und zerstört.

In nächster Zeit sieht Sarmiento weiterhin steigende Preise und sinkende Reallöhne auf das Land zukommen. Die Inflation ist im Oktober innerhalb eines Jahres von 3,29% auf 5,35% angestiegen. Die Zentralbank hob als Gegenmaßnahme im September bereits den Leitzins um 0,25% auf 4,75% an. Gleichzeitig hat sich das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens seit 2013 abgeschwächt. Wird Kolumbiens wirtschaftlicher und sozialer Aufstieg aus den Jahrzehnten der Gewalt somit bald schon wieder vorbei sein?

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