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Was können das Abkommen über die Nutzung der Atomenergie des Iran und das Ende der Sanktionen für den Iran selbst und den Nahen Osten bedeuten?

Die Vertreter Deutschlands sowie der fünf UN-Vetomächte (China, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA) haben sich mit dem Iran im Atomstreit einigen können. Nachdem der Streit nach nun 13 Jahren beendet ist, sollen auch die Sanktionen gegen den Iran beendet werden. Die ersten bestehen bereits seit der Islamischen Revolution vor 36 Jahren.

Die ersten Schritte

Die Wahl von Hassan Rohani im Juni 2013 zum Präsident des Iran war eine gute Entscheidung. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Hardliner Ahmadinedschad, setzte der gemäßigtere Rohani auf eine Annäherung an die EU und die USA. Seit Beginn neuer Gespräche über das Atomprogramm des Iran, welches auch den Bau von Atomwaffen vermuten ließ, wurden bereits nach ersten Fortschritten einige Sanktionen im vergangenen Jahr gelockert. Die nun durch den Außenminister Mohammad Javad Zarif erzielte Einigung bezeichnet Präsident Rohani als „größten außenpolitischen Triumph“, der selbst bei vielen iranischen Hardlinern Anerkennung findet.

Als die Einigung bei den Verhandlungen in Wien dann am Dienstag verkündet wurde, machte vor allem die Nachricht von einem baldigen Ende der Sanktionen die Runde und löste schon eine Euphorie bei Wirtschaftsverbänden aus. Doch wie gut stehen die Chancen für deutsche Unternehmen im Iran wirklich?

 

Einigung auf wackeligen Füßen

Zuerst ist zu beachten, auf welche Bedingungen man sich geeinigt hat und welche politischen Möglichkeiten sich ergeben. Im Vorfeld gab es bereits das Rahmenabkommen von Lausanne. Laut dieser Vereinbarung muss der Iran die Anzahl seiner zur Urananreicherung genutzten Zentrifugen von 19.000 auf 6.100 und auch die Bestände an niedrig angereichertem Uran von 10.000 auf 300 Kilogramm verringern. Zudem soll es wieder regelmäßige Kontrollen iranischer Atomanlagen durch Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) geben. In Wien hat die iranische Regierung nun zugestimmt auf eine militärische Nutzung der Atomenergie zu verzichten und sie nur für zivile Zwecke wie die Energiegewinnung zu nutzen.

Was der Iran sich jedoch weiterhin vorbehält, ist die Entscheidung über den Zeitpunkt und den Ort des Zugangs der Inspekteure. Jeder kleine Zwischenfall bei den Inspektionen könnte somit zum Scheitern des Abkommens und zu erneuten Sanktionen führen. Der vor allem von Israel stark kritisierte Kompromiss, weil es sich vom Iran bedroht sieht, steht noch auf wackeligen Füßen. Der Vereinbarung von Wien muss zudem noch der US-Kongress zustimmen. Dort sitzen viele Skeptiker und Hardliner, die schon im Vorfeld von Israel dahingehend beeinflusst wurden, eine Einigung und vor allem eine Zusammenarbeit mit dem Iran abzulehnen.

Politische Interessen der EU und der USA

Die Interessen der an den Verhandlungen beteiligten EU und der USA scheinen jedoch nun vorrangig darin zu liegen, den Iran zu einem politischen und wirtschaftlichen Partner zu machen. Im Zuge der zunehmenden Konfrontation der USA mit Russland und China, will man den stark zugenommenen Einfluss beider Staaten auf den Iran wieder zurückdrängen. Mit dem Iran hat Russland einen langjährigen und wichtigen Verbündeten in der Region und bietet eine Lücke in dem durch US-Militärbasen aufgebauten Ring um Russland.

Die USA können zudem gegenüber ihrem sich zunehmend entfremdenden Partner Saudi-Arabien ein Zeichen setzen. In das durch den Fracking-Boom in den USA ausgelöste Kräfteringen mit Saudi-Arabien, um die Macht auf dem Erdölmarkt, könnten die USA ihre Unterstützung nun für den saudischen Erzfeind Iran verstärken. Saudi-Arabien könnte durch einen Anstieg der iranischen Ölexporte, die das ohnehin schon existierende Überangebot an Erdöl vergrößern und den Preis weiter sinken lassen würden, einige der durch Rekordproduktion und somit billigem Öl hart verteidigten Marktanteile verlieren.

Für die EU bietet sich mit dem Iran zudem eine weitere Alternative zur Abhängigkeit von russischem Erdgas. Nachdem die EU vor drei Jahren ein Importverbot für iranisches Erdöl verhängt hatte, wird das Angebot im andauernden Sanktionsstreit mit Russland wieder interessant. Durch die geplante Trans-Adria-Pipeline (TAP) und die geplante Transanatolische Pipeline (TANAP) in der Türkei könnte über eine Verbindung zu türkisch-iranischen-Pipelines auch iranisches Öl bis nach Westeuropa fließen.   

 

Pulverfass Naher Osten – Die Zukunft der Region bleibt ungewiss

Ob sich eine Stärkung des Irans positiv oder negativ auf die Lage in der gesamten Region des Nahen Ostens auswirkt, bleibt abzuwarten. Der schiitisch geprägte Staat steht im Konflikt zum sunnitisch geprägten Saudi-Arabien. Beide Staaten tragen seit Jahrzehnten durch die Unterstützung religiös geprägter Gruppen kleine Stellvertreterkriege aus. Aktuell in Syrien, dem Irak und dem Jemen. Die USA könnten mit ihrem Kurs nun zu einer weiteren Destabilisierung der Region beitragen.

Der Iran kann nun stärker die schiitischen Kräfte in Syrien und dem Irak unterstützen und auch verstärkt gegen den verdeckt aus Saudi-Arabien und anderen Golf-Staaten unterstützten Islamischen Staat (IS) vorgehen. Bisher haben jedoch vor allem Vertreter westlicher Staaten die Hoffnung, dass eine engere Zusammenarbeit mit dem Iran sich positiv auf Konflikte wie in Syrien auswirken kann. In Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den anderen sunnitisch geprägten Staaten am Persischen Golf befürchtet man aber eine Machtverschiebung, hin nach Teheran.

 


 

Das Potenzial der Wirtschaftsmacht Iran

Abseits aller politischen Ziele drängen sich aber nun zuerst die wirtschaftlichen Möglichkeiten in den Vordergrund. Der Iran bietet mit seinen mittlerweile wohl 79 Mio. Einwohnern ein enormes Potenzial für Wirtschaftswachstum und somit gute Geschäfte einheimischer und auch ausländischer Unternehmen. Auch der demografische Vorteil, zwei Drittel der Bevölkerung sind unter 30 Jahren, sticht hier hervor. Trotz der Sanktionen existiert hier eine funktionierende Industrie und in den letzten Jahrzehnten entstand eine junge und gut ausgebildete, zum Teil westlich orientierte, Mittelschicht.

Wenn auch die Masse der Bevölkerung nicht mit den großen Schwellenländern mithalten kann und das Potenzial für einen gigantischen Konsummarkt wie in Indien oder China begrenzt ist, ermöglichen vor allem die immensen Rohstoffreserven des Landes einen Aufstieg in die Reihe der aufstrebenden Wirtschaftsmächte der nächsten Generation nach den BRICS-Staaten. Neben bedeutenden Vorkommen an Eisen und Kupfer verfügt der Iran mit 150 Mrd. Barrel über die drittgrößten Erdöl- und zudem über die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt. Bis zum Beginn der nun Verhandelten Sanktionen in 2002 war der Iran mit zwei Drittel seiner Fördermenge der zweitgrößte Erdölexporteur der Welt. Im Zuge der Sanktionen schrumpfte die tägliche Fördermenge jedoch von 3,5 Mio. Barrel auf 1 Mio. Barrel.

Nachholbedarf an Investitionen

Im Erdöl- und Erdgassektor liegt auch der größte und nötigste Investitionsbedarf. Dieser wird vom Energieministerium auf rund 200 Mrd. USD geschätzt. Die Hälfte davon soll nun bereits innerhalb der nächsten drei Jahre ins Land fließen. Mit dem Aufbau des Sektors kann der Iran wieder einen Großteil seines Potenzials nutzen und sich dann unabhängiger von ausländischen Investitionen machen. Bis dahin braucht man aber auch in anderen Bereichen wie Infrastruktur, Pharmaindustrie und Landwirtschaft ausländisches Kapital und auch Know-how. Die Infrastruktur sowie die Produktionsanlagen müssen dringend modernisiert werden. Ist dies geschehen kann der Iran auf dieser Grundlage zu einer bedeutenden Exportnation in der Region werden.

Neben dem großen Sektor der Energieerzeugung durch Erdöl und Erdgas, verfügt das Land ebenso über bedeutende Industrien in den Bereichen Petrochemie, Metallerzeugung (Stahl, Kupfer, Aluminium), Baustoffe und Textilien. Enorm wichtig ist auch die Automobil- und deren Zuliefererindustrie. Hersteller wie Iran Khodro, Kerman Khodro und Saipa produzieren neben eigenen Modellen auch Fahrzeuge von Daimler, VW, MAN, Renault, Nissan, Hyundai und Kia. Große Absatzmärkte bieten sich hier in Turkmenistan, im Irak, der Türkei, Syrien, Pakistan und Indien an. Auch im Bereich der Nahrungsmittelproduktion und bei der Medizintechnik weist das Land fortschrittliche Entwicklungen auf.

Nicht außer Acht zu lassen ist auch der Bankensektor. Neben dem größten Finanzinstitut, der staatlichen Bank Melli, gibt es weitere große Unternehmen wie die Sanat va Madan Bank (Bank für Industrie und Bergbau), die Saderat Bank und die Bank Tejarat. Mit Kish Iran Credit Card Corp, Mellat Insurance und Parsian Ecommerce gibt es auch Unternehmen in anderen wichtigen und modernen Bereichen. Viele iranische Unternehmen sind zudem weltweit aktiv. Wachstumsmärkte bieten sich auch im Mobilfunksektor und bei den bisher wohl noch kaum beachteten Erneuerbaren Energien.

Hoffnungen deutscher Unternehmen

Deutsche Unternehmen hoffen nach dem Ende der Sanktionen auf Geschäfte in Milliardenhöhe. Sind sie doch seit Jahren, einige seit Jahrzehnten und wie Siemens sogar seit über hundert Jahren, im Iran aktiv. Während sich der Großteil der politisch hörigen Unternehmen ganz zurückgehalten hat, wie auch bei den derzeitigen Sanktionen gegen Russland, gibt es Firmen die den Iran auch während der Sanktionen beliefern und somit einen Fuß in der Tür haben. In den kommenden Tagen will Bundeswirtschaftsminister Gabriel bereits mit einer Delegation aus Vertretern der Wirtschaft in den Iran reisen, um alte Kontakte zu pflegen und neue aufzubauen.

Im vergangenen Jahr belief sich das deutsche Exportvolumen in den Iran auf 2,39 Mrd. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr ein durch die Lockerung der Sanktionen begründeter Anstieg um 30%. Deutsche Wirtschafts- und Unternehmensverbände hoffen bereits auf eine weitere Steigerung innerhalb von zwei Jahren über das 2005 erreichte Niveau von 4,4 Mrd. EUR hinaus. Seit 2006 nahm das Exportvolumen aufgrund der damaligen Verschärfung der Sanktionen, wegen der wiederaufgenommenen Urananreicherung, wieder ab. Bis 2020 rechnen die optimistischsten sogar mit einem Anstieg auf 10 bis 12 Mrd. EUR.

 

Deutsche Unternehmen mit Chancen im Iran

Als erstes könnten somit die rund 80 noch im Iran aktiven und die vielen noch durch Kontakte verbundenen deutschen Unternehmen profitieren. Zu ihnen Zählen der weltweit führende Hersteller von Tunnelbohrmaschinen, das Familienunternehmen Herrenknecht AG, die Festo AG und der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG. Auch große Börsennotierte Konzerne wie die Volkswagen AG, die Daimler AG, die Commerzbank AG, die Henkel AG & Co. KGaG, SAP SE sowie der Medizin- und Sicherheitstechnik Hersteller Drägerwerk AG & Co. KGaG (ISIN: DE0005550602), der Dieselmotorhersteller Deutz AG (ISIN: DE0006305006), der Automobilzulieferer LEONI AG (ISIN: DE0005408884, die OSRAM Licht AG (ISIN: DE000LED4000) und der LKW-Hersteller MAN AG(ISIN: DE0005937007) verfügen über wichtige Kontakte.

Interesse an Geschäftsbeziehungen soll zudem bei Siemens, Bayer und E.ON bestehen. Einen neuen profitablen Markt könnte sich im Iran aber auch für den Rüstungskonzern Rheinmetall AG (ISIN: DE0007030009) eröffnen. Das noch laufende Waffenembargo soll in ein fünf Jahre andauerndes Verbot umgewandelt werden. Danach könnte der Iran zur fortlaufenden Modernisierung seiner Streitkräfte und vor allem der Islamischen Revolutionsgarde, den Pasdaran, auch an deutscher Waffentechnik interessiert sein.

Ein in etwas näherer Zukunft liegendes Milliardengeschäft könnte sich auch dem Flugzeughersteller Airbus Group N.V. (ISIN:NL0000235190) bieten. Die iranischen Airlines wie Zagros Airlines, Aria Air, die staatliche Iran Air mit den Tochterunternehmen Iran Airtour und Iran Air Cargo, sowie die größte private Airline Mahan Air verfügen über einen Großteil an Airbus Maschinen in ihren Flotten. Diese Maschine, meistens A300 und A310 Modelle, haben jedoch mit einem Durchschnitt von meist über 23 Jahren ein hohes Alter. Bisher konnten die Airlines durch die Sanktionen nur Flugzeuge auf dem Gebraucht- oder Leasingmarkt erstehen. Eine Modernisierung ist somit dringend nötig, auch um wieder Zugang zu vielen internationalen Flughäfen zu erhalten, der durch Sicherheitsvorschriften verwehrt wird. Durch den darauf wohl folgenden Ausbau der Streckennetze wird auch der Bedarf an neuen Maschinen ansteigen.

 

Ein Umdenken ist nötig

Wie bei Airbus müssen aber vor allem auch bei den deutschen Banken die Bedenken bei Geschäften mit dem Iran ausgeräumt werden. Zu sehr hatte man sich an die nicht alle Bereiche betreffenden Sanktionen gehalten und Strafen gefürchtet wie sie die Commerzbank für unerlaubte Geschäfte von den USA aufgebrummt bekam. Das ausräumen dieser Bedenken muss schnellstens erfolgen, um Unternehmen eine Finanzierung ihrer Geschäfte zu ermöglichen. Schon in den letzten Jahren entgingen deutschen Unternehmen Aufträge weil die Banken und Behörden zu lange für Genehmigungen brauchten. Profitiert haben davon dann Firmen aus anderen Ländern.

 


 

Starke Konkurrenz aus China, Russland und den USA

Somit stehen den deutschen Unternehmen nicht nur blühende Geschäfte bevor sondern vor allem ein harter Konkurrenzkampf. Internationale Konzerne wie Shell, Eni, ExxonMobile, Total und Renault stehen bereits in den Startlöchern. Vor allem China und Russland haben die Sanktionen genutzt und ihre Beziehungen zum Iran verstärkt. China ist mittlerweile der größte Importeur iranischen Erdöls. Mit seinen nun immer mehr weltweit agierenden Konzernen wie dem Eisenbahngiganten China Railway Rolling Stock Corp. (CRRC) existiert hier bereits eine mehr als ernstzunehmende Konkurrenz. Auch Russland vertieft seine Verbindungen weiter und tauscht bereits seine Waren und Rohstoffe gegen iranisches Erdöl ein und hilft auch bei dem Bau von Kernkraftwerken.

Konkurrenz droht aber auch von Seiten der USA. Wie auch im aktuellen Fall der Sanktionen gegen Russland, umgehen viele US-Unternehmen die Sanktionen. Ohne Bestrafung haben sie alleine in den zehn Jahren bis 2008 über 107 Mrd. USD in den Iran investiert und schnappten auch deutschen Firmen Aufträge weg. Zuletzt hatte Boeing durch eine Lieferung von Handbüchern und Bauplänen wieder den Kontakt in die Luftfahrtbranche aufgenommen.

Fortschritte bei Wirtschaftsgesetzen

Auf das Abenteuer Iran werden sich viele Unternehmen aus Deutschland aber einlassen. In den letzten Jahren hat der Iran strukturelle Fortschritte im Bereich der Wirtschaft und den zugehörigen Gesetzen gemacht. Neben einer Novellierung des Steuergesetzes wurden auch neue Investitionsgesetze erlassen die auch ausländische Investitionen schützen. Es bestehen bilaterale Investitionsschutz- und Förderverträge. Ausländische Investoren dürfen sich bereits mit bis zu 10% an den Aktienbeständen und mit bis zu 20% am Grundkapital iranischer Unternehmen beteiligen.

Die Börse in Teheran

An der 1989 wiedereröffneten Börse in Teheran (www.tse.ir) sind zurzeit rund 420 Unternehmen gelistet. Stabile Werte aufgrund geringer Korrelation zur Weltwirtschaft. Der Leitindex TEPIX startete 1990 bei 100 Punkten, erreichte im Januar 2014 ein Allzeithoch von 89.500 Punkten und pendelt in den letzten Tagen wieder nahe der 70.000 Punkte-Linie. 2014 lag er seit 2008 mit 21% erstmals wieder im Minus. Das Handelsvolumen ist mit umgerechnet rund 65 Mio. EUR täglich jedoch noch gering. Durch die Verteilung des Volumens auf die 420 Unternehmen ist hier somit die hohe Volatilität begründet. Ein fortlaufendes Privatisierungsprogramm soll den Anteil der Staatsunternehmen an der Wirtschaft aber von 70% auf 20% verringern. Somit erhöht sich auch zunehmend die Anzahl der an der Börse notierten Unternehmen.

Mit geschätzten 100 Mrd. USD an Währungsreserven und einer Staatsverschuldung von unter 20% bietet der Iran zudem gute fundamentale Daten. Durch das Ende der Sanktionen kann der Iran wieder Zugang zu den internationalen Finanzmärkten erhalten und seine Währung stabilisieren. Milliarden an Kapital werden auch durch die Begleichung alter Schulden für Erdöllieferungen und die Freigabe von gesperrten Firmenkonten im Ausland ins Land fließen.

Die Ajatollahs und die Wächter der Revolution

Bei aller jetzt noch verbliebenen Euphorie darf man aber auch die letzten Tatsachen nicht vergessen. Die Islamische Republik Iran ist ein Staat nach religiösen Grundlagen. Es haben immer noch die Ajatollahs, die Rechtsgelehrten, das Sagen. Staatsoberhaupt ist immer noch der Oberste Rechtsgelehrte Ajatollah Ali Chamene’i und auch Staatspräsident Rohani ist ein schiitischer Rechtsgelehrter der mit dem Titel eines Hodschatoleslam nur eine Stufe unter einem Ajatollah steht.

Neben den Rechtsgelehrten gibt aber auch die Armee der Wächter der Islamischen Revolution, die paramilitärische Revolutionsgarde, den Ton an. Die Anführer, der vom Revolutionsführer Ajatollah Chomeini 1979 aufgestellten Organisation, üben mit den größten Einfluss auf die iranische Politik und vor allem die Wirtschaft aus. Ehemalige Kommandanten der Garden besetzen viele wichtige Ministerposten im Kabinett. Vor allem unter dem ehemaligen Gardisten Ahmadinedschad wurde ihre Macht noch größer. Die Revolutionsgarden beherrschen auch große Teile der Wirtschaft. Ihre Industriekonglomerate wie die Infrastrukturprojekte durchführende Unternehmensgruppe Chatam-ol Anbiabekommen regelmäßig Aufträge des Staates. Auch die meisten privatisierten Staatsunternehmen gehen an Investoren und Firmen aus dem Kreis der Revolutionsgarden und bleiben somit unter ihrer Kontrolle.

Die aufstrebende Islamische Republik

All der Vorfreude und Warnungen zum Trotz bleibt vorerst abzuwarten, ob und wann die Sanktionen beendet werden. Sollte es zu einer dauerhaften Zusammenarbeit mit der EU und den USA kommen bleibt eine schnelle und große Umwälzung aber ausgeschlossen. Der Staat wird seine Strukturen, wenn dann nur sehr langsam Aufbrechen. Der Iran hat das Potenzial von einem Frontier Market zu einem Emerging Market zu werden. Aber es wird zu einem Schwellenland nach einem eigenen Modell, wie es schon in Indien und China mit ihren eigenen politischen und kulturellen Eigenschaften der Fall ist.

 

 

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