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Das slawische Wort „ukraina“ bedeutet soviel wie Grenzgebiet. Zu diesem ist die Ukraine in den letzten Jahren vor allem politisch geworden.

Ein Spielball der Mächte. Sie steht zwischen den Stühlen von EU und Russland. Nicht zuletzt wegen ihrer eigenen Gestalt. Doch welcher Weg ist der bessere für die Ukraine?

Die Staaten der Europäischen Union wollen die Ukraine enger an ihre Gemeinschaft binden. Die wieder erstarkende Russische Föderation sähe das Land dagegen gerne in der Eurasischen Union und der Zollunion. Beide Seiten üben deshalb massiven Druck auf die ukrainische Regierung aus, die sich bemüht einen unabhängigen Kurs zu fahren.

Ein jahrelanges Hin und Her, dass in den letzten Wochen wieder eskaliert ist. Der ukrainische Präsident Janukowytsch legte auf dem EU-Gipfel in Litauens Hauptstadt Vilnius Ende November das seit 2008 geplante EU-Assoziierungsabkommen auf Eis. Verschiedene Oppositionsparteien mobilisierten daraufhin Menschenmassen, die gegen die Regierung und für eine Annäherung an die EU demonstrieren.

Nachdem Janukowytsch zwischenzeitlich Gespräche mit Russlands Regierung und sogar der Chinas führte, gab der stellvertretende ukrainische Ministerpräsident Arbusow am 12. Dezember in Brüssel bekannt, dass man das Abkommen mit der EU alsbald unterzeichnen wolle.

Seitens der EU wolle man nun jedoch erst an dem Abkommen weiterarbeiten, wenn die Regierung eine klare Absicht zur Unterzeichnung zeigt. Das Tauziehen ist damit noch lange nicht beendet. Zu tiefgreifend sind die ukrainischen Verhältnisse und die Hintergründe des Streits.


Wiege Russlands und Grenzland

Das über die Jahrhunderte hinweg von vielen Völkern besiedelte Gebiet der Ukraine gilt vor allem in der osteuropäischen Geschichtsschreibung ab dem 9. Jahrhundert nach Christus als Wiege des russischen Staates und der russischen Kultur. Das Kiewer Rus, der erste ostslawische Staat, soll hier seinen Ursprung haben. Nach dessen Blütezeit im Zuge der griechisch-orthodoxen Christianisierung im 10. und 11. Jahrhundert, folgte eine wechselvolle Geschichte, die die Ukraine zum Grenzland machte.

Im 13. Jahrhundert wurde sie von den Mongolen erobert. Westliche Teile fielen später an das Großfürstentum Litauen und gerieten anschließend unter polnisch-litauische und dann polnische Herrschaft. Östliche Teile gehörten zum Großfürstentum Moskau und später mit den südlichen Regionen zum russischen Kaiserreich. Somit bildeten sich bereits vor Jahrhunderten zwei unterschiedliche kulturelle, sprachliche und religiöse Kreise, welche die Ukraine noch heute prägen.

Somit sind heute vor allem der Süden und der Osten der Ukraine russisch geprägt: Hier spricht man neben ukrainisch vor allem russisch und gehört zum größten Teil dem russisch-orthodoxen Christentum an. Im Westen dagegen sind die ukrainische Sprache und der katholische Glaube durch die Verbindung zu Polen vorherrschend. Russischer Einfluss begründet sich vor allem mit der Ausweitung des zum Zarenreich gehörenden Territoriums in der Ukraine. Russland unterstütze ukrainische Aufstände gegen die polnische Herrschaft.


Streben nach Unabhängigkeit

Unter dem Banner des „dreieinigen russischen Volkes“ welches sich auf die gemeinsame Herkunft von Russen, Weißrussen und Ukrainer bezieht, schlossen sich weite Teile der westlichen Ukraine Russland an. Südliche Teile wurden osmanischen Vasallen vom Zarenreich entrissen. Die Bevölkerung blieb jedoch in der Rolle des kleinen Bruders Russlands. Auch wenn die Bezeichnung als Kleinrussen, neben Groß- und Weißrussen, die Region um die Hauptstadt Kiew als Kernland des russischen Reiches bezeichnet, der Einfluss Moskaus war zu groß.

Aus dem Grund forcierte sich im 19. Jahrhundert eine ukrainische Identität. Besonders in den westlichen Grenzgebieten, die nach der Dreiteilung Polens an Preußen und Österreich fielen, forderte man durch Unterstützung Österreichs und polnischer Kreise, einen unabhängigen ukrainischen Staat mit westlicher Orientierung. Wohl Geburtsstunde für die heute geforderte europäische Ukraine und der Auslöser für einen Kulturkampf innerhalb des ukrainischen Volkes.

Im Zuge der russischen Revolution und des ersten Weltkrieges bildeten sich die ersten ukrainischen Nationalstaaten. Da sie jedoch schon damals in den Kampf der Großmächte hineingezogen wurden, überlebten sie nicht lange und zerfielen. Die West-Ukrainische Volksrepublik wurde – ebenso wie die 1919 gegründete Ukrainisch Sozialistische Sowjetrepublik – 1920 während des Polnisch-Sowjetischen Krieges von der Roten Armee besetzt. Bis auf einige westliche Teile, die im Friedensvertrag von 1921 zeitweise an Polen und andere Staaten fielen, gehörte das heutige Staatsgebiet zur Ukrainischen SSR. Diese wiederum war ab Gründung der Sowjetunion 1922 bis zu deren Ende 1991 Unionsrepublik.


Lesen Sie in Kürze Teil 2: „Украина? Ukraine? Україна!? – Sowjetische Prägung, Nationale Identitätssuche“

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