wrapper

Breaking News

Die ukrainische Regierung hat wegen unzureichender Versorgung der heimischen Kraftwerke mit Kohle den Energienotstand erklärt. Energieminister Nasalik rief die Bevölkerung zur Einsparung von Energie am Wohn- und Arbeitsplatz auf. Er warnte zudem davor, im Notfall die Versorgung teilweise zu unterbrechen.

Der drohende Versorgungsengpass wird durch die seit Wochen andauernde Blockierung von Verbindungswegen und einer Eisenbahnstrecke durch ukrainische Nationalisten verursacht. Auf der betroffenen Strecke wurde trotz des Krieges bislang immer noch Kohle aus den nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk in andere Regionen transportiert, da das Land von diesen Abhängig ist. Die Kohlevorräte sollen nur bei einer zeitweisen Abschaltung von Kraftwerken noch ein paar Wochen ausreichen. 

 

Abhängigkeit von Kohle aus der Ostukraine und Russland

Rund 40% des Stroms in der Ukraine werden durch Kohlekraftwerke erzeugt. Zudem stammt gut ein Viertel der benötigten 30 Mio. Tonnen an Kohle aus den Gebieten der Volksrepubliken. In der Vergangenheit gab es auch immer wieder Engpässe wegen zeitweiser Importstopps aus Russland. Ursachen hierfür waren häufig Streitigkeiten um Gas- und Kohlelieferungen oder die gegenseitigen Sanktionen.

Bisherige Versuche der Regierung Kohle aus anderen Ländern zu beziehen scheiterten. Die in 2014 erfolgten Lieferungen aus Südafrika wurden wieder eingestellt. Die Opposition im Parlament warf den verantwortlichen in der Regierung zudem Korruption vor, da viel zu hohe Preise für die südafrikanische Kohle bezahlt wurden.

Die Ukraine ist daher weiterhin auf die Kohle aus den Volksrepubliken angewiesen, die trotz der Zerstörung vieler Bergwerke durch die ukrainische Armee immer noch den Großteil der Förderung des gesamten Landes bestreiten. Zeitweise wurden auch deren Vorräte als Ersatz für russische Lieferungen benötigt.

Die Nationalisten, die die Strecken nun blockieren, wollen aber nun verhindern, dass Kohle aus den von Separatisten kontrollierten Gebieten weiterhin genutzt wird. Sie werfen der Regierung vor die Separatisten und ihren Kampf zu finanzieren. Die Regierung selbst verurteilte die Aktion. Der amtierende ukrainische Ministerpräsident Hroisman bezeichnete es als Verbrechen, da es nicht nur die Energieversorgung von privaten Unterkünften sondern auch die von Krankenhäusern gefährdet.

 

Engpässe bedrohen Erholung der Wirtschaft

Eine Unterbrechung der Energieversorgung wäre aber auch katastrophal für die Wirtschaft. Die ohnehin von Korruption und Oligarchie gebeutelte Wirtschaft des Landes wurde durch gegenseitige Sanktionen mit Russland, den Krieg im Osten und den Währungsverfall zusätzlich geschwächt.

Von den Geldgebern wie EU und IWF geforderte Reformen kommen bislang nur schleppend voran. Investitionen, die fast nur durch ausländische Finanzhilfen möglich sind, fließen nur langsam und werden durch Veruntreuung oder die seit 2013 von 2,42% auf 4% des gesunkenen Bruttoinlandsprodukts angestiegenen Militärausgaben zusätzlich geschmälert.

Nach einem Minus von 0,03% in 2013 brach das Bruttoinlandsprodukt in 2014 um 6,55% und 2015 sogar um 9,87% ein. Dennoch ist die Wirtschaft im vergangenen Jahr wohl erstmals seit 2012 wieder gewachsen. Die Prognosen liegen zwischen 1,1 und 1,5%. Für das laufende Jahr wird sogar ein Zuwachs von 2,5% erwartet.

Schlagwörter

Weitere Artikel - Emerging Europe

Werbung