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Gesunkene Ölpreise und gleichzeitig gesunkene Fördermengen haben Nigeria den ersten Rückgang seiner jährlichen Wirtschaftsleistung in 25 Jahren beschert. 2016 sank das Bruttoinlandsprodukt um 1,5%, wie das Statistikbüro des Landes (Nigerian Bureau of Statistics) bekannt gab.

Gefährliche Spirale

Der Einbruch der Ölpreise seit 2014 brachte das schon von ausufernder Korruption gebeutelte Nigeria in eine mehr als missliche Lage. Zwei Drittel der Staatseinnahmen werden immer noch aus dem Export des im Land geförderten Erdöls generiert. Im Zuge sinkender Exporterlöse nahmen auch Anschläge militanter Gruppen auf die ohnehin marode Infrastruktur der heimischen Erdölindustrie zu und sorgten für einen Rückgang der Fördermengen. Dadurch sank die Erdölproduktion in 2016 von 2,13 Mio. im Vorjahr auf 1,83 Mio. Barrel pro Tag.

Der starke Rückgang verschärfte somit das Problem der rückläufigen Einnahmen zusätzlich. Die Regierung musste vermehrt auf die Währungsreserven des Landes zurückgreifen, um den Großteil der Staatsausgaben bestreiten zu können. Nicht wenige der 36 Bundesstaaten des Landes konnten zeitweise keine Kreditraten und Gehälter mehr zahlen.

Der Wert der Landeswährung Naira brach daraufhin ebenfalls ein. Die schwache Währung und der die Nachfrage drückende Anstieg der Inflation schickten die von Importen abhängige Wirtschaft in eine Krise. Nachdem das Wirtschaftswachstum von Januar bis Juli vergangenen Jahres negativ ausgefallen war befand sich die zuvor zur größten Volkswirtschaft Afrikas aufgestiegene Nationen in einer Rezession wieder.

Eine humanitäre Katastrophe droht ebenfalls auf eine bereits existierende zu folgen. Der Terror der islamistischen Organisation Boko Haram hat bereits weite Teile des Landes im Nordosten in Mitleidenschaft gezogen. Hunderttausende? sind auf der Flucht. Nun droht zudem im Zuge des sich immer drastischer veränderndes Klimas eine Dürrekatastrophe die verwüsteten Landstriche heimzusuchen. Millionen Menschen sind vom Hunger bedroht.

 

Präsident Buhari: Der Mann des Wandels

Doch in jeder Krise steckt auch eine Chance und die wurde von der derzeitigen Regierung unter dem ehemaligen und nun erneut regierenden Präsident Muhammad Buhari bislang gut genutzt. Sie geht besonders hart gegen die grassierende Korruption im Land vor.

Zehntausenden untätigen oder nur auf dem Papier existierenden Beamten wurden die Gehälter gestrichen. Diebstahl von Geldern und Material in Militär, Politik und Wirtschaft wurde aufgedeckt und hat dazu geführt, dass bereits hunderte Millionen an gestohlenen Geldern sichergestellt und dem Staatshaushalt wieder zugeführt werden konnten. Die Regierung geht aber auch einen Schritt weiter. Sie verklagt auch mehrere ausländische Ölkonzerne wegen illegaler Ausfuhren auf Schadensersatz.

Um die Korruption und die Kapitalflucht auch dauerhaft zu bekämpfen sollen in den kommenden vier Jahren zudem viele staatliche Vermögenswerte privatisiert werden. Rund 16 Mrd. USD plant die Regierung dadurch an zusätzlichen Einnahmen ein. Hierbei geht es vor allem um Anteile am Erdölsektor, in dem jetzt schon vermehrt auf Joint-Ventures gesetzt wird, um die Fördermenge bis 2020 auf 2,5 Mio. Barrel pro Tag zu steigern.

Am allerwichtigsten aber ist eine Reform innerhalb des Staatswesens. Nigerias Regierung hat damit begonnen viele Millionen Bürger erstmals als Steuerzahler zu registrieren. Insgesamt sind es mittlerweile rund 14 Millionen, dies jedoch bei einer Gesamtbevölkerung von 177 Millionen. Während die Einsparungen und Beschlagnahmungen zwar schon mehrere hundert Millionen Dollar von geschätzten 200 Milliarden an gestohlenen Geldern umfassen, bieten sich bei der Errichtung eines effizienten Steuersystems jedoch weitaus nachhaltigere Möglichkeiten.

 

Investitionen in eine stabilere Zukunft

Die Regierung sammelt jedoch nicht nur effizienter Geld ein sondern bemüht sich auch es effizienter auszugeben. Es wird verstärkt in die Infrastruktur investiert und nicht mehr wie zuvor zum Großteil in Scheinprojekte, die nur die Loyalität von Parteimitgliedern sichern sollen. Der Ausbau der Infrastruktur ist dabei der nächste Schritt auf dem Weg zu einer langfristig wachstumsstarken Wirtschaft, unabhängig vom Erdöl.

Eine intakte Infrastruktur ist eine der wichtigsten Grundlagen für dringend benötigte Investitionen in andere Wirtschaftsbereiche. Auch hier bieten sich Joint-Ventures an, um an ausländisches Kapital und vor allem Know-how zu gelangen.

Ohne den Erdölsektor einzubeziehen schrumpfte Nigerias Wirtschaft im vergangenen Jahr auch nur um 0,2% nach einem Plus von 3,75% in 2015. Dies zeigt das Potential von Bereichen wie Dienstleistung und Konsum, die im Zuge ansteigender Einkommen und zunehmenden Wohlstands immer mehr gefragt sind.

Doch Nigerias heimische Unternehmen stoßen hier auf die nächste Hürde. Vor allem große Konzerne aus dem viel früher zur Wirtschaftsmacht aufgestiegenen Südafrika haben bedeutende Marktanteile in diesen Sektoren erobert. Sie werden jedoch derzeit wegen fremdenfeindlicher Übergriffe auf Nigerianer in Südafrika und darauf folgende Vergeltungsaktionen und mögliche Boykotte auf eine harte Probe gestellt.

 

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