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Das Emerging Markets Magazin im Gespräch mit Axel Krohne, CFA, Head of Portfoliomanagement des AvH Emerging Markets Fonds UI und Manager von Krohne Capital.

Emerging Markets und Schwellenländer. Zwei Begriffe, die laut aktuellen Umfragen nicht einmal der Hälfte der Anleger in Deutschland etwas sagen. Dementsprechend fällt mit gut 2% der Befragten auch die Zahl derer äußerst gering aus, die in Schwellenländern investiert sind.

Im Interview mit Axel Krohne, CFA, seit 2016 Portfoliomanager des AvH Emerging Markets Fonds UI (ISIN: DE000A1145F8/DE000A1145G6) und seit Jahren erfolgreicher Investor in Schwellenländern, wollen wir die Gründe für das Nischendasein der Emerging Markets herausfinden und warum dies Investoren wie ihm nützt.

Emerging Markets Magazin: Herr Krohne, Sie investieren seit fast 13 Jahren erfolgreich in Emerging Markets. Wie sind Sie zum Investment in den Emerging Markets und zum Fondsmanagement gekommen?

Axel Krohne: Nachdem ich in die USA emigriert bin, war ich 7 Jahre lang bei Morgan Stanley als Vermögensverwalter für High-net-worth Kunden zuständig. In dieser Zeit verstärkte sich aber mein Interesse an Bilanzen sowie attraktiven und zugleich unterbewerteten Unternehmen, so dass ich auf diese Weise zu meiner neuen Berufung fand.

Ich überredete meine Frau für unseren nächsten Urlaub zu einer Reise nach Vietnam. Dort fuhren wir dann wochenlang mit Rikschas durch Saigon, von Fabrik zu Fabrik, um uns diese anzuschauen. Daraufhin investierte ich mein eigenes Vermögen in die vor Ort ausgewählten Unternehmen. Damals hatten die an der dortigen Börse notierten Unternehmen noch ein KGV von 4 oder niedriger.

Als ich zurückkam und meinem Arbeitgeber davon berichtete, riet man mir jedoch davon ab, in Märkte wie Vietnam zu investieren. Es sei viel zu riskant. Statt aber weiterhin für eine geringe Provision vermeintlich sichere Produkte an Großkunden zu verkaufen, gründete ich meine eigene Investmentgesellschaft, Krohne Capital. Ich erhielt Kapital von meinen zufriedenen Kunden und investierte dieses nach dem Value-Prinzip in Unternehmen aus den Emerging Markets. Auch heute reise ich noch immer selbst in die Länder, um mir direkt vor Ort ein Bild von dem Unternehmen zu machen.


Warum ausgerechnet Emerging Markets?

Axel Krohne: Diese Märkte sind häufig ineffizient und volatil. Das macht sie für mich jedoch interessant, denn gleichzeitig sind sie kaum beachtet. Das heißt, kein anderer ist zum investieren da. Ich bin dort nahezu konkurrenzlos und durch das geringe Aufsehen, das diese Märkte erregen, haben die Unternehmen eine extrem niedrige Bewertung. Egal ob Vietnam, Ghana oder Sri Lanka, es gibt eine breite Auswahl an Märkten mit enormen Chancen. Wenn es auf dem Mars eine Börse geben würde, wo kein anderer hingeht, würde ich sogar dort investieren.


Im Gegensatz zu den Emerging Markets kennt wahrscheinlich ein großer Teil der Anleger den Ansatz des Value-Investings. Erklären Sie uns aus Ihrer Sicht, welche Vorteile das Value-Investing bietet.

Axel Krohne: Bei vielen gilt der Grundsatz, wer hohe Renditen will muss auch hohe Risiken eingehen. Das ist falsch. Der Value-Ansatz bietet das genaue Gegenteil. Wenn man Aktien oder z.B. auch Immobilien wie eine Eigentumswohnung zu einem günstigen Preis kauft hat man ein hohes Potential für einen Wertzuwachs bei einem niedrigen Risiko. Ganz anders als wenn man etwas teuer erwirbt. Dann hat man ein hohes Verlustrisiko und wahrscheinlich auch eine langfristig enttäuschende Performance.


Sie haben seit 2004 Ihre eigene Investmentgesellschaft, Krohne Capital, die sich mit den Emerging Markets befasst. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen in diesen Märkten?

Axel Krohne: Durchweg positiv. Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Das heißt, ich habe nichts erlebt, was ich nicht auch an einer deutschen Börse erleben würde. Ich wurde nie von irgendjemandem aus den Unternehmen in die ich investierte über den Tisch gezogen. Die Unternehmen in die ich investiere sind alle seriös. Ihre Bilanzen werden von großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erstellt.


Und die Performance?

Axel Krohne: Seit Auflage des Krohne Fund weist er im Durchschnitt eine jährliche Wertentwicklung von 15% brutto und 12% netto auf. Wenn Sie am Anfang 100.000 USD investiert haben, haben Sie nun 400.000 USD. Ich glaube, das schaffen die wenigsten Emerging Markets Fonds.


Worum handelt es sich genau beim AvH Emerging Markets Fonds UI, den Sie nun als Portfoliomanager seit gut einem Jahr betreuen? Worin investiert er?

Axel Krohne: Der Fonds ist ein Mischfonds und investiert in Emerging Markets, aber vor allem auch in die sogenannten Frontier Markets. Derzeit sind 10% in fixed income angelegt. Anleihen von Emerging Markets, die in Euro oder US-Dollar notieren. 20% sind derzeit Cash und 70% des Kapitals sind in Aktien angelegt.

AvH Emerging Markets Fonds UI A

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Was sind die Grundsätze und Kriterien für Ihre Investitionen? Wie wählen Sie geeignete Unternehmen aus und wie lang halten Sie die Titel?

Axel Krohne: Auch hier suche ich direkt vor Ort nach unterbewerteten Titeln. Ich suche nach Unternehmen, die ein erfolgreiches und recht krisenunabhängiges Geschäftsmodell betreiben, ausreichend Wachstumspotential haben, kaum verschuldet sind und dabei zu einem attraktiven Preis zu haben sind. Wenn ich so ein Unternehmen gefunden und darin investiert habe, liegt die Haltedauer meist bei einigen Jahren. Allerdings investiere ich auch nur in Titel, die an den lokalen Börsen gelistet sind. Nicht in ADRs, die an Börsen wie London gelistet sind. Da ist die Konkurrenz zu groß.

Mein Grundsatz bei meinen Anlageentscheidungen richtet sich vor allem nach den drei Buchstaben BBC. Banks, Beer und Cigarettes. Besonders die Banken sind in den Emerging Markets äußerst profitabel, im Gegensatz zu denen in Europa zum Beispiel. Daneben ist alles von Interesse, was immer gebraucht und gekauft wird und vor allem bei der Mittelschicht Anklang findet, die dort unaufhörlich wächst. Wenn ich investiere, dann aber auch meistens in lokale Tochterunternehmen von internationalen Großkonzernen, da ist man recht sicher.


Wie minimieren Sie das Risiko noch? Gibt es Länder und Branchen die Sie meiden?

Axel Krohne: Was ich meide sind unter anderem Branchen wie Technologie, Biotech oder auch Commodities. Rohstoffe wie Öl und Kupfer, bei denen ich nicht weiß wo der Preis in 6 Monaten liegt. Ausgeschlossen sind auch Investments in Versorgungsunternehmen. Da sind mir die politischen Risiken zu hoch. Jeder politische Richtungswechsel kann eine Veränderung der Preise bedeuten.

Länder in denen ich nicht investiere sind China und Indien. In chinesische Unternehmen habe ich kein Vertrauen. Vor allem, je günstiger und attraktiver sie erscheinen, desto skeptischer bin ich. In der letzten Zeit habe ich auch die Türkei gemieden, auch wenn es dort noch keinen Crash gab.

 

Haben Sie Favoriten unter den Ländern? Ein Land das Sie gerne bereisen?

Axel Krohne: Für Reisen an sich gefällt mir Vietnam sehr. Aber auch für Investitionen ist der Markt immer gut. Die Börse dort ist sehr zyklisch. Alle 5 Jahre scheint es dort einen Crash zu geben. Für Investments bevorzuge ich zurzeit auch afrikanische Börsen. Allerdings reise ich ungern in die dortigen Länder.

Schwer Geld verlieren konnte man zudem in den letzten Jahren in Brasilien und Russland. Klar haben diese beiden Länder zuletzt große Crashs erlebt. Aber zuvor und auch jetzt wieder konnte man dort schon wegen der großen und weiter wachsenden Bevölkerung enorme Chancen vorfinden. Es kommt immer auf den Zeitpunkt und die Preise an. Vor mehreren Monaten habe ich zum Beispiel viel in Russland investiert. Als der Markt dort zusammengebrochen war, war ich einer der wenigen, der in Moskau noch investiert und sich die Titel zu günstigen Preisen gekauft hat.

 

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Erzählen Sie uns bitte einige Anekdoten von Ihren Reisen.

Axel Krohne: Da scheint jedes Land so seine Besonderheiten zu haben. Als ich zuletzt in Moskau war, musste ich um 8 Uhr morgens am Flughafen sein. Ich fragte daraufhin einen Angestellten des Hotels, wann ich mit dem Taxi losfahren müsste, um rechtzeitig anzukommen. Er riet mir das Hotel um 6 Uhr morgens zu verlassen. Allerdings gebe es dann noch keinen Vodka zu kaufen, fügt er hinzu.

Interessant mit dem Taxi zu fahren ist es übrigens in Ecuador. Man sagte mir, dort mit dem Taxi zu fahren sei gefährlich. Wenn man einsteigt kann es passieren, dass man von dem Taxifahrer ausgeraubt und irgendwo außerhalb der Stadt nackt ausgesetzt wird. Um dem vorzubeugen haben aber mittlerweile alle Taxen einen Not-Knopf, den man in solchen Situationen drücken kann. Man muss dann nur noch darauf hoffen, dass die Polizei auch kommt. Zum Glück blieb ich davon verschont.

Ein sehr kurioses Erlebnis hatte ich allerdings in Bangladesch. Als ich dort war, fand gerade ein nationaler Generalstreik statt und die Opposition blockierte alle Straßen. Die einzige Möglichkeit für mich durch die Straßensperren zu kommen, war mit einem Krankenwagen zu fahren. Vor den Hotels und Firmen parkten daher zu diesem Zeitpunkt immer mehrere Krankenwagen.


Eingangs haben wir bereits erwähnt, das viele Anleger die Emerging Markets meiden. Wo sehen Sie das Problem, dass so wenige Anleger in Deutschland in diese Märkte investieren?

Axel Krohne: Ich denke, es ist vor allem die geringe Bekanntheit der Emerging Markets. Danach kommt aber die homevice, die Beschränkung auf das eigene Heim. Damit ist gemeint, dass Anleger vor allem Aktien aus ihrem eigenen Land im Depot haben. Das ist aber kein deutsches Phänomen. Ein Franzose wird bestimmt 70% seines Kapitals in französischen Werten angelegt haben und ein Niederländer 70% in niederländischen Werten. Man hält meist das eigene Land für das sicherste, während in anderen Ländern ein höheres Risiko erwartet wird. Das liegt vor allem an der Voreingenommenheit der Menschen.


Denken Sie, die Emerging Markets haben auch ein Imageproblem?

Axel Krohne: Nein, das denke ich nicht. Das Image ist immer abhängig von der Zeit und den Zyklen. Vor einigen Jahren waren die Emerging Markets das Investitionsziel überhaupt. Derzeit sind es halt die USA oder die vom Geld der EZB gefluteten Märkte in Deutschland und anderer EU-Länder. Oder schauen sie sich den Immobilienmarkt in Deutschland an. Jetzt sind die Immobilienpreise stark gestiegen und alle wollen ihr Geld dort investieren.


Erwarten Sie, dass die Emerging Markets die etablierten Märkte langfristig schlagen?

Axel Krohne: Keine Ahnung. Da stellt sich zuerst einmal die Frage, was sind etablierte Märkte? Die USA? Deutschland? Selbst in den größten und vermeintlich stabilsten Märkten kann es immer zu großen Ereignissen kommen, die alles umwerfen. Ich weiß nicht was sich langfristig besser entwickeln wird. Ich weiß nur, dass sich die Emerging Markets in den letzten 5 Jahren schlechter entwickelt haben als zuvor. Allerdings bietet dies wieder neue Chancen und es ist Zeit zu investieren. Zumindest in den nächsten 5 Jahren halte ich die Märkte dort für erfolgsversprechend.


Als Fondsmanager haben Sie natürlich ganz andere Möglichkeiten was den Zugang zu den Emerging Markets betrifft. Wie können dagegen Privatanlegern am besten in Emerging Markets investieren und bietet sich für noch unsichere Anleger eine Beimischung an?

Axel Krohne: Ich bin eigentlich ein großer Fan von Indexzertifikaten. Sie sind günstig, denn da muss man meinesgleichen nicht bezahlen, also keinen Fondsmanager. Allerdings hat man in den Emerging Markets damit häufig nicht die Möglichkeit in Nebenwerte zu investieren. Die meisten ETFs investieren in den Leitindex des jeweiligen Landes und enthalten somit nicht die wirklichen Outperformer der Börse. Manager wie ich sind bei ihren Fonds dagegen ausschließlich auf Small- und Midcaps fokussiert.

Ich bin privat vollständig in Emerging Markets investiert. Was die Beimischung von Titeln aus Emerging Markets im Portfolio angeht denke ich, jeder so viel wie er sich traut und so lange wie er es sich leisten kann. Ob ich in Emerging Markets, den DAX oder einen offenen Immobilienfonds investiere, es kommt immer auf meine eigene Risikotoleranz an.


Ihr Fonds bietet ausschließlich Nebenwerte aus den Emerging Markets an. Beides Anlageklassen die meistens als risiko- aber vor allem auch chancenreich angesehen werden. Sehen Sie das ebenso?

Axel Krohne: Aus meiner Sicht wird vor allem das politische Risiko in den Emerging Markets überschätzt. Viele warnen immer vor der Verstaatlichung von Unternehmen. Dies kommt aber nur ganz selten vor und dann bei einem von hundert Unternehmen. Diese Überschätzung bietet mir wiederum die Möglichkeit Geld zu verdienen.

Ein wirkliches Risiko ist das Währungsrisiko. Es schmerzt mich und meine Anleger richtig, dass die Währungen vieler Emerging Markets in den letzten Jahren so stark an Wert verloren haben. Dies erfordert immer, dass ein Teil der Gelder in festverzinsliche und in Euro oder US-Dollar notierende Wertpapiere angelegt wird.


Wo sehen Sie den Vorteil des AvH Emerging Markets Fonds UI gegenüber anderen Emerging Markets Fonds?

Axel Krohne: In der Größe, es ist ein kleiner Fonds. Dadurch kann ich flexibel investieren und ich muss nicht gleich zig Millionen in ein riesiges und teures Unternehmen wie Samsung oder BHP stecken. Zudem sind die meisten der großen Fonds nur in wenigen Ländern registriert und haben damit keinen direkten Zugriff auf die Börsen. Bei uns ist das anders. Wir sind in unserer Auswahl viel freier.


Noch eine letzte Frage. Eines Ihrer Hobbys ist lesen. Haben Sie eine aktuelle Buchempfehlung für unsere Leser?

Axel Krohne: Ich habe in jüngster Zeit die Autobiographie "A Man for All Markets: From Las Vegas to Wall Street" gelesen. Das Buch ist von Edward Thorp, einem der erfolgreichsten Portfoliomanager des 20. Jahrhunderts.
Die deutschen Leser interessiert vielleicht die Biographie von Greg Steinmetz: "The Richest Man Who Ever Lived: The Life and Times of Jacob Fugger".
Ein faszinierendes Buch ist auch das von Andrea Wulf über Alexander von Humboldt: "The Invention of Nature". Humboldt ist leider fast vergessen, war aber einer der wichtigsten Menschen des 19. Jahrhunderts.


Herr Krohne, wir bedanken uns bei Ihnen für das überaus interessante und informative Gespräch und den Einblick in das Leben eines Fondsmanagers. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Arbeit.

 

Kurzbiografie von Axel Krohne

Axel Krohne wurde 1971 in Deutschland geboren. Er hat einen Bachelor in Baustatik der Fachhochschule Giessen und arbeitete bis 1997 als Ingenieur. Als er anschließend in die USA emigrierte, heuerte er bei Morgan Stanley an und war dort von 1998 bis 2004 als Vermögensverwalter tätig.

In dieser Funktion beriet Axel Krohne viele Familien bei der Verteilung des Vermögens und der Auswahl ihrer Anlagen. Während er seine Kunden betreute stieg er außerdem noch in das Management von Morgan Stanley auf.

Mit der Unterstützung vieler Kunden verließ Axel Krohne schließlich Morgan Stanley und gründete seinen eigenen Investmentfonds. 2004 startete er die Krohne Fund Partnership, um nach dem Value-Ansatz zu investieren. Seitdem hat er über 80 Länder der Welt bereist, um dort attraktive Investitionsmöglichkeiten zu finden.

Seit 2005 trägt Axel Krohne auch den Titel eines Chartered Financial Analyst des CFA Institute in Virginia, USA, wo er in seinen 12 Jahren Berufserfahrung mittlerweile 8 Prüfungen bestanden hat.

Axel Krohne ist verheiratet und hat drei Töchter. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit lesen, Sport und seiner Familie.

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