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Der Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp AG (ISIN: DE0007500001) kann sein Stahlwerk in Brasilien verkaufen. Für 1,5 Mrd. EUR übernimmt der argentinische Stahlhersteller Ternium das Sorgenkind des Konzerns.

Über 10 Jahre hat der Vorstoß von ThyssenKrupp nach Amerika nun gedauert. Mit dem CSA-Werk ist nun auch das zweite Werk auf dem Doppelkontinent verkauft. 2014 ging bereits das US-Werk in Alabama an die Konkurrenten Arcelor Mittal und Nippon Steel. Die noch in 2005 bei ThyssenKrupp gehegte Hoffnung auf billigen Stahl aus Brasilien für die Weiterverarbeitung in den USA und Europa erfüllte sich nicht. Der Weltmarkt für Stahl geriet in eine nun seit Jahren andauernde Krise.


Das Sorgenkind

Der massive Ausbau der Kapazitäten und die gleichzeitig sinkende Nachfrage führten zu sinkenden Preisen. Durch den Preisdruck, den chinesische Produzenten durch Dumping-Preise noch erhöhten, schwanden die Einnahmen vieler Konzerne. Vor allem in Europa und den USA, wo die Produktionskosten und die Umweltauflagen höher sind, gerieten die Hersteller in die Krise.

Bei ThyssenKrupp kamen zu allem Überfluss dann noch ständig neue Probleme beim CSA-Werk hinzu. Vor allem technische Probleme verhinderten lange Zeit, dass das Werk profitabel arbeitet. Aber auch Probleme mit den Behörden wegen Umweltauflagen kamen hinzu.

Im vergangenen Jahr übernahm ThyssenKrupp dann die Anteile des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale S.A. (ISIN: BRVALEACNPA3). Der Eisenerzförderer hielt fast 27% an dem Werk. Durch die Übernahme der Anteile für einen symbolischen Preis erhoffte sich ThyssenKrupp einen einfacheren Verkauf.

Mittlerweile schreibt das Werk an der brasilianischen Küste schwarze Zahlen und konnte somit endlich veräußert werden. Doch die Erlöse aus dem Verkauf der amerikanischen Werke können den Verlust nicht ganz wettmachen. Von insgesamt rund 12 Mrd. EUR an Investitionen muss der Konzern 8 Mrd. EUR nun noch als Verlust verbuchen.

 

ThyssenKrupp AG

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Letzte Auswirkungen

Die Kosten der fehlgeschlagenen Expansion werden sich laut Finanzchef Kerkhoff daher auch noch auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres 2016/2017 auswirken. Aufgrund des Verkaufs des CSA-Werks wird eine Wertberichtigung von 900 Mio. EUR fällig. Statt eines Überschusses wird nun am Ende des Jahres ein Verlust in den Büchern stehen.

Die übrigen Jahresziele sollen jedoch eingehalten werden. Neben der Steigerung des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 1,7 Mrd. EUR soll vor allem die Nettoverschuldung um 1,5 Mrd. EUR sinken.

Der bis zum 30. September dieses Jahres erwartete Verkauf des CSA-Werks wird dann im kommenden Geschäftsjahr aber neues Kapital für den weiteren Schuldenabbau einbringen. Ein Teil des Verkaufserlöses geht jedoch auch an Vale, das sich beim Verkauf seiner Anteile in 2016 eine Option darauf gesichert hat.


Es geht Vorwärts

Für ThyssenKrupp war die Stahlherstellung in Amerika ein Fehlschlag bei dem man nun mit einem blauen, wenn auch Milliardenschweren, Auge davon kommt. Der nun noch von der Genehmigung der Wettbewerbsbehörden abhängige Verkauf bedeutet daher einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft.

Konzernchef Hiesinger bezeichnete den Verkauf als Meilenstein bei der von ihm Vorangetriebenen Umstrukturierung des Unternehmens. Er will den Konzern noch stärker auf das Geschäft mit Industriegütern und Dienstleistungen ausrichten, das bereits 75% am Gesamtumsatz ausmachen soll.

Der nächste große Schritt wäre nun ein Durchbruch bei den Fusionsverhandlungen mit dem indischen Konzern Tata Steel (ISIN: INE081A01012). ThyssenKrupp und Tata Steel erhoffen sich durch eine mögliche Fusion ihrer Stahlsparten Synergien, die die Wettbewerbsfähigkeit in diesem Bereich erhöhen. Inwieweit sich das Unternehmen nach einer eventuellen Fusion dann aus der Stahlbranche zurückzieht bleibt abzuwarten.


Schwierige Zeiten

ThyssenKrupp könnte sich so verstärkt auf andere und derzeit zukunftsträchtigere Geschäftsbereiche konzentrieren. Auch der Aktienkurs könnte so wieder zu alten Höhen zurückfinden. Schon jetzt scheinen die Anleger den Fortschritt beim Konzernumbau mit Käufen zu belohnen. Am Mittwoch legte der Kurs bereits um rund 5% zu.

Wer dagegen weiterhin auf das Stahlgeschäft setzt findet auch mit dem CSA-Käufer Ternium S.A. (ISIN: ARDEUT116019) eine Anlagemöglichkeit. Das in Luxemburg ansässige und in Buenos Aires gelistete argentinische Unternehmen entstand aus den Konzernen Siderar, Sidor und Hylsa. Es verfügt über Stahlwerke in Argentinien, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, den USA und nun bald auch in Brasilien. Auf dem amerikanischen Kontinent bleibt das Unternehmen wegen seiner starken Präsenz in den noch kostengünstigen Schwellenländern wettbewerbsfähig.

 

Ternium S.A.

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