wrapper

Breaking News

Die Siemens Stiftung hat mit dem empowering people. Award erneut technische Innovationen ausgezeichnet, die die Grundversorgung von Millionen von Menschen unter anderem in den Bereichen Energie, Ernährung und Medizin verbessern.

Eine internationale Expertenjury hat für den ersten Preis BEMPU Health ausgewählt, ein Armband, das gefährliche Hypothermie – also Unterkühlung – rechtzeitig anzeigt und so das Leben von Neugeborenen retten kann.


Frühgeborene Babys sind am häufigsten Opfer von Säuglingssterblichkeit. Dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF zufolge gibt es in Indien jedes Jahr rund acht Millionen Frühgeburten – eine große Risikogruppe also. Viele Todesfälle könnten allein schon dadurch verhindert werden, dass die Körpertemperatur der Neugeborenen konstant bei 36,5° Celsius gehalten wird. Ist dies nicht gewährleistet, können Säuglinge sehr schnell Hypothermie entwickeln – verbunden mit all den Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung oder Sepsis. Dies erkannte Bempu Health, eine öffentliche Gesundheitsorganisation aus Indien. Geleitet wird sie von Ratul Narain, der aus den USA stammt und an der Universität Stanford studiert hat. Nach seinem Umzug aus den USA nach Indien beschloss Ratul Narain, seiner Vision zu folgen, die Gesundheitsversorgung in ressourcenarmen Teilen der Welt zu verbessern. Das Ergebnis ist das BEMPU Hypothermie Alarmarmband, eine Lösung, die den ersten Preis des empowering people. Award der Siemens Stiftung gewonnen hat, zu dem ca. 800 Beiträgen aus 88 Ländern eingereicht wurden. Das Armband warnt Eltern und Betreuer mit einem audiovisuellen Alarm, sobald die Temperatur eines Säuglings sinkt.

 

Wir sprachen mit Ratul Narain über das Alarmarmband, dessen Einfluss auf neonatales Leben und wie es sich vor allem in einkommensschwachen Regionen bestmöglich einsetzen lässt.

Herr Narain, warum ist Hypothermie so gefährlich?

Kleinkinder, besonders Frühgeborene, können ihre Körpertemperatur nicht kontrollieren. Ein drastischer Abfall der Körpertemperatur, eine sogenannte Hypothermie, kann verheerende Folgen für ein frühgeborenes Kind haben. Bei unterkühlten Kleinkindern zieht der Körper die Wärme aus den Gliedmaßen zurück, um sie im Körperkern zu speichern. Das heißt, Arme und Beine werden deutlich geringer durchblutet. Die längerfristigen Folgen von Hypothermie können ein verzögertes Wachstum, eine schwache Entwicklung der Organe bis hin zum Tod sein, etwa weil die bereits durch Hyperthermie geschwächten Kinder anfälliger für Infektionen sind. Alleine in Indien sterben laut Statistik rund 250.000 Kleinkinder pro Jahr an einer Sepsis, also bakteriellen Infektionen.

 

Wie arbeitet das BEMPU Hypothermie-Alarmarmband?

Das BEMPU-Armband nutzt den Temperaturabfall als frühes Warnzeichen des Körpers und löst bei den ersten ernsten Anzeichen dafür einen audiovisuellen Alarm aus. Ärzte nutzen die Armbänder beispielsweise bei Säuglingen, die sich in der Intensivpflege für Früh- und Neugeborene befinden, oder verschreiben es, sobald diese Kinder nach Hause entlassen werden. Das Armband, das bis zu vier Wochen einsatzbereit ist, soll helfen, die Temperatur des Kindes permanent zu überwachen und Alarm zu geben, sobald die Temperatur zu hoch oder zu niedrig ist. So können die Eltern schnell reagieren.

 

Das Armband alarmiert zwar die Eltern. Doch was können Eltern tun, die in abgelegenen Gebieten leben, um ihrem Kind zu helfen?

Es gibt bewährte Methoden, die dem Kind schnell helfen. „Kangaroocare“, also der direkte Haut-Kontakt, ist beispielsweise eine solche Maßnahme. Wenn eine Mutter ihr Baby Haut an Haut an sich drückt, kann die Temperatur des Kindes schnell wieder ansteigen. Dies gibt Eltern die nötige Zeit, um weitere Hilfe zu bekommen.

 

Menschen in einkommensschwachen und in Entwicklungsregionen misstrauen häufig der neuen Technik. Ist das für Sie eine besondere Herausforderung?

Wir haben bewusst ein Design gewählt, das kulturelle Akzeptanz schafft. Das Armband lässt sich zudem einfach nutzen, nicht zuletzt da es für Pflegepersonal und auch weniger gebildete Eltern ein klares und intuitiv verständliches Warnsystem bietet. Wir haben inzwischen herausgefunden, dass Mütter dieses Armband lieber einsetzen als Thermometer, da viele nicht wissen, wie man diese benutzt und die Temperaturwerte deutet. BEMPU hat ein eingebautes Thermometer, so dass Mütter nicht aktiv werden müssen. Hinzukommt, dass viele Familien aus abgelegenen Regionen kommen und nicht in der Nähe der Krankenhäuser bleiben können. So ist das Armband für viele ein praktisches Hilfsmittel, um baldmöglichst wieder nach Hause zurückkehren zu können und trotzdem die Sicherheit zu haben. Und dadurch, dass BEMPU keine externe Stromquelle benötigt, kann das System tatsächlich in jeder Umgebung eingesetzt werden.

 

Wie bringt Ihr Armband in Indien den größten Nutzen?

Beispielsweise können die Armbänder für Babys genutzt werden, die in staatlichen Einrichtungen geboren werden. Einige von ihnen gehören zu den ärmsten Familien und erhalten generell eine qualitativ niedrigere Pflege – mit entsprechend negativen Folgen für ihre Gesundheit. Aber auch die Regierung könnte das Armband kaufen und es an Familien verleihen. Vor kurzem haben wir aber auch den Vertrieb über unsere Webseite und über Amazon zu gestartet.

 

Was war Ihre Motivation, das Armband zu entwickeln?

BEMPU ist das Resultat aus einem Jahr intensiver neonataler Feldforschung, die ich in Indien betrieben habe. Ein Drittel der in Indien geborenen Babys haben ein klinisch niedriges Geburtsgewicht, also weniger als 2,5 kg. Während meiner Forschungsarbeit habe ich beobachtet, wie leicht diese Babys Hypothermie bekamen oder an Infektionen erkrankten. Ich erkannte: Wenn ich die Eltern darauf aufmerksam machen kann, können sie die notwendigen Maßnahmen selbst ergreifen, um tödliche Konsequenzen zu verhindern.

 

v.l. Rolf Huber, Hinnerk Hansen, Ratul Narain, Carola Schwank

 

Herr Narain, Sie haben den diesjährigen „empowering people. Award“ der Siemens Stiftung gewonnen. Was bedeutet es, so einen Preis zu gewinnen?

Es ist manchmal hart und man fühlt sich einsam, wenn man die Arbeit tut, die wir tun. Einen Preis wie diesen zu gewinnen, motiviert mein Team und mich – und zeigt uns, dass wir für das, was wir gerne machen, Unterstützung aus der ganzen Welt bekommen. Mit der Auszeichnung erhalten wir nicht nur ein Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro, sondern sie ermöglicht uns auch die Mitgliedschaft im „empowering people. Network“. Ein Teil einer Organisation zu sein, die Menschen praktische Hilfe anbietet, hat einen großen Wert für uns.

Als sich das Netzwerk in diesem Jahr in Berlin traf, hat es mich umgehauen. Es ist eine wirklich großartige Gruppe von Visionären. Ich habe schon sehr viel von ihnen gelernt. Vor allem auch, dass viele von uns sich ganz ähnlichen Herausforderungen stellen müssen, wenn auch in verschiedenen Teilen der Welt mit verschiedenen Produkten. der Austausch untereinander ist unglaublich wertvoll für uns.

 

Was sind Ihre Pläne für 2017?

Nun, da wir gezeigt haben, dass das BEMPU-Armband wirklich hilfreiche Resultate für Babys erbringt, sind wir darauf fokussiert, so viele Babys so schnell wie möglich zu erreichen. Wir weiten unsere Zusammenarbeit mit der indischen Regierung aus, führen das Armband in Afrika und Südostasien ein und arbeiten daran, unser Team und unsere Partnerschaften zu vergrößern, um diese Lösung weiter voranzubringen.

Mit Material und freundlicher Genehmigung der Siemens Stiftung

 

Über die Siemens Stiftung

Als gemeinnützige Unternehmensstiftung setzen wir uns für nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung ein. Eine gesicherte Grundversorgung, hochwertige Bildung und Verständigung über Kultur sind dafür Voraussetzung. In unserer internationalen Projektarbeit unterstützen wir deshalb Menschen darin, diesen Herausforderungen unserer Zeit eigeninitiativ und verantwortungsvoll zu begegnen. Hierfür entwickeln wir mit Partnern Lösungsansätze und Programme und setzen diese gemeinsam um. Eine zentrale Rolle spielen dabei technologische und soziale Innovationen. Transparenz und Wirkungsorientierung bilden die Basis unseres Handelns.


Arbeitsgebiet Grundversorgung

Eine gesicherte Grundversorgung ist unverzichtbar für ein Leben in Eigenständigkeit und Würde. Unser Ziel ist es, existenzielle Versorgungsdefizite abzubauen und dafür notwendige gesellschaftliche Strukturen zu stärken. In unserem internationalen empowering people. Network bringen wir Erfinder und Sozialunternehmer zusammen und unterstützen die Kombination von technischen und unternehmerischen Ansätzen. Dadurch fördern wir die Verbreitung geeigneter Lösungen und ermöglichen eine Plattform für Wissenstransfer sowie die Vernetzung mit Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit. In operativen Projekten vor Ort setzen wir gemeinsam mit Partnern sowohl innovative als auch bewährte Lösungsansätze um. Darüber hinaus vermitteln wir die dafür notwendigen Kompetenzen, um durch sich selbst tragende Strukturen eine dauerhafte Verbesserung der Grundversorgung zu gewährleisten.

Schlagwörter

Weitere Artikel - Asien

Anzeige