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Indien ist in diesem Jahr das Partnerland der Hannover Messe, der größten und wichtigsten Industriemesse der Welt. Rund 6.500 Unternehmen und Verbände aus über 70 Ländern sind auf der 68. Ausstellung vertreten. Alleine aus Indien kommen in diesem Jahr über 400 Aussteller.

Der neue Löwe der Weltwirtschaft

Die indische Regierung rührt mit dem Slogan „Make in India“ die Werbetrommel, um ausländische Investoren anzulocken. Das alte indische Wappentier, der Löwe, dient dabei als Logo und soll Werte wie Kraft und Willen demonstrieren. Premierminister Narendra Modi tourt auf seinem Werbefeldzug um die Welt und hat anlässlich der Messe in Hannover nun auch Station in Deutschland gemacht. Deutschland ist der größte Handelspartner Indiens innerhalb der EU und soll für das Land noch wichtiger werden.

Deutsche Unternehmen sind weltweit führend in vielen Bereichen der Industrie und zeichnen sich durch immer neue Innovationen aus. Auf der Hannover Messe wurde deshalb auch die nächste große Revolution der Industrie angekündigt. Die Industrie 4.0 steht im Zeichen der Digitalisierung. Intelligente Maschinen und Anlagen sind die nächste Generation nach der Automation. Indien will von dieser Revolution profitieren und seine eigene Industrie dadurch ebenfalls zu den besten der Welt befördern, und das im Eiltempo.


Eigenes Know-how

Eine verstärkte Kooperation mit Deutschland könnte enorme Fortschritte mit sich bringen, denn Indien verfügt über ausreichend eigenständig entwickeltes Know-how. Dies ist die Chance des Landes und mit der Werbekampagne „Make in India“ verspricht man die nötigen  Veränderungen, um diese Chance auch voll nutzen zu können. Indien braucht dringend ausländische Direktinvestitionen, um ein höheres Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur und die Industrie kann der Staat nicht alleine bewältigen.

Hunderte Milliarden an Euro sind in den nächsten zehn Jahren nötig, um alleine die Energieversorgung zu gewährleisten und die Infrastruktur wie Eisenbahnen, Straßen und Häfen auszubauen. Notwendige Voraussetzungen, damit sich ausländische Unternehmen ansiedeln und zusammen mit den einheimischen Unternehmen die jeden Monat benötigten rund eine Millionen neuen Arbeitsplätze zu schaffen.


Wachsende Konkurrenz

Doch trotz der versprochenen Reformen, was Steuern und Bürokratie angeht, sind viele ausländische Unternehmen noch skeptisch. Sie verzeichnen zwar stetig wachsende Umsätze, aber durch Probleme wie Korruption, komplizierter Zoll- und Steuervorschriften, die mangelnde Infrastruktur, Stromausfälle, schlecht ausgebildete Arbeiter und die ausufernde Bürokratie wollen sie selten mehr investieren. Die wirklichen Reformen wie Mehrwertsteuer und Landreform lassen ohnehin auf sich warten. Das demokratische System bietet zu viele Möglichkeiten, dass auch kleinste Gruppen diese blockieren.

Zudem liegt der Fokus vieler ausländischer Unternehmen noch auf China. Auch wenn die verarbeitende Industrie dort mittlerweile wegen den steigenden Löhnen ins Hinterland oder nach Südostasien auswandert, ist der Wachstumsmarkt Indien noch nicht fest in den Köpfen aller Entscheider verankert. Somit sind neben Indonesien auch schon die sogenannten Frontier-Markets wie Myanmar und Vietnam die neuen Konkurrenten Indiens.


Enormes Potenzial

Die Regierung muss nun zeigen, dass sie die Eigenschaften des Löwen besitzt und sich durchsetzen kann. An der Kampagne „Make in India“ muss zudem noch etwas gefeilt werden. Das Ziel eine exportorientierte Nation zu werden, ist schwer zu erreichen und es ist noch schwerer diesen Fokus auf Jahrzehnte durchzuhalten. Auch wenn man ausländische Unternehmen und die Nachfrage nach deren Produkten benötigt, ist etwas mehr Ausrichtung auf das riesige Potenzial der eigenen Bevölkerung sinnvoll.

Indien verfügt über eine Industrie die zu 90% aus mittelständischen und Kleinunternehmen besteht. Eine leichte Konsolidierung ist da natürlich dringend nötig, sollte jedoch die vorhandene Basis nicht zerstören. Das Potenzial dieser Unternehmen sollte Premier Modi für sein Ziel, den Anteil der verarbeitenden Industrie an der Wirtschaftsleistung bis 2025 auf 25% zu erhöhen, nutzen. Nur so wird er die fast 1,3 Milliarden Menschen Indiens versorgen können und den jungen Indern unter 35, die bald zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen, einen Arbeitsplatz und somit eine Zukunft ermöglichen.

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