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EIN NEUES DRAMA IN DREI AKTEN

Die argentinische Misere ist auch dieses Mal hausgemacht und wird durch Druck von außen verstärkt. Der sogenannte technische und somit rechtliche Staatsbankrott zieht Argentiniens Wirtschaft immer weiter herunter. Argentiniens Regierung stemmt sich derweil mit allen Mitteln gegen die prekäre Lage und verschlimmert alles.

Das Eintreffen des faktischen Staatsbankrotts bleibt ungewiss. Wenn Argentinien seine Schulden wegen fehlendem Kapital wirklich nicht mehr bezahlen kann, wird die Wirtschaft schrumpfen und eine Rezession verursachen. Diese drohende Krise könnte wie 2001 katastrophale Auswirkungen haben. Um sie abzuwenden, liefert sich Argentiniens Regierung unter Präsidentin Kirchner nun eine wahre Schlammschlacht mit den Hedgefonds und auch den USA. Eine Suche nach einer schnellen und wirksamen Lösung wäre sinnvoller, als die Fronten zu verhärten.

Zweiter Akt: Im tiefen Tal

Die argentinische Börsenaufsicht ermittelt nun wegen Insiderhandel gegen die beiden Hedgefonds, die Argentinien auf Auszahlung der Schulden verklagt haben. Es soll geprüft werden, ob die Fonds sich vorsorglich mit Kreditausfallversicherungen gegen eine Pleite Argentiniens abgesichert haben. Die argentinische Regierung verklagt derweil das US- Unternehmen RR Donnelly wegen Verstoßes gegen argentinische Anti-Terror-Gesetze und beschuldigt es, mit den Hedgefonds zusammen zu arbeiten. Das Unternehmen hatte vorige Woche eine Druckerei in Buenos Aires geschlossen, jedoch ohne ersichtlichen Grund. Eine weitere Klage gegen die US-Regierung wegen Nichtachtung der argentinischen Staatssouveränität wurde beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingereicht, der von den USA aber in diesem Fall jedoch nicht für zuständig anerkannt wird.

Für Argentiniens finanzielle Lage wird das Eis derweil immer dünner. Die Regierung hat mit ihren ständigen Lohnerhöhungen, Subventionen und den Sozialprogrammen, von denen rund 40 Prozent der Bevölkerung profitieren, die Staatskasse massiv belastet. Nachdem einige Ratingagenturen die Bonität des Landes nach dem Gerichtsurteil auf „Zahlungsverzug“ gesenkt haben, wird es nun kaum möglich sein frisches Kapital auf dem für Argentinien sowieso nur noch schwer zugänglichen Weltmarkt zu besorgen. Die Landeswährung Peso befand sich zudem auf steilem Kurs nach unten. Daran schuld ist vor allem die jahrelange Geldruckerei der Regierung, um die Ausgaben zu finanzieren und die Abwertung des Peso um 23 Prozent im Januar. Der niedrige Wechselkurs zum US-Dollar verstärkt die Kapitalflucht und sorgt, wie bereits 2001 und 2002 geschehen, für eine steigende Inflation.

Der Kaufkraftverlust des Peso beschert der ohnehin durch die vielen Krisen der letzten Jahrzehnte gebeutelten Bevölkerung Preissteigerungen von teilweise über 50 Prozent. Ein Anstieg der Armut ist die Folge. Fast panikartig tauschen die Menschen in Argentinien seit Monaten ihre Pesos in Dollar um. Meist auf dem Schwarzmarkt zu Tauschkursen, die rund 50 Prozent über dem offiziellen liegen. Denn die Regierung versucht mit Devisenkontrollen, den Zugang zum knappen Dollar zu beschränken. Gegen die hohen Lebensmittelpreise weiß man da auch wieder einmal kein besseres Mittel, als die Exporte zu beschränken, die man eigentlich fördern will.

Nachdem man nun, unter anderem wegen einer Rekordernte im Wert von 30 Mrd. USD bei Soja, eine Sonderabgabe von 35 Prozent auf die ohnehin mit fast 50 Prozent besteuerten Agrarexporte erhoben hat, um die Staatseinnahmen zu erhöhen, wurden nun noch wie 2006 die Fleischexporte wegen hoher Preise gestoppt. Ein erneuter Streit mit den Agrarverbänden wie 2008 droht. Für die Bevölkerung wie damals ein Segen. Sie wird das Fleisch nun zu extrem niedrigen Preisen kaufen können. Auf lange Sicht wird die Wirtschaft darunter jedoch wieder leiden. Für die Bauern und Viehfarmer wird das Geschäft dagegen zunehmend unrentabel. Die Viehbesitzer werden wohl erneut die Schlachtungen erhöhen und die Zahl der Rinder im Land weiter senken, während die Bauern aus Angst vor der Inflation ihre Agrarprodukte wie Soja, Mais, Reis und Sonnenblumen nur noch exportieren, wenn sie Geld benötigen und ansonsten lagern.

Auf Dauer werden die Preise wegen des verringerten Angebotes somit noch stärker steigen als nur durch die Inflation. Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften, die wohl mindestens 30 Prozent höhere Löhne fordern könnten, stehen bereits ins Haus und führen im schlimmsten Falle zu einem Generalstreik und Protesten, die das Land lähmen. Durch das Einbrechen der Exporte werden zudem wichtige Kundenbeziehungen auf Dauer zerstört, was im Land Arbeitsplätze vernichtet und die Staatseinnahmen um viele Milliarden verringert. Ein Teufelskreis, aus dem die Regierung unter Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner wohl nur nach der absehbaren Wahlniederlage in 2015 herauskommen wird, wenn sie bis dahin im Amt bleibt. Durch ihre zu protektionistische Politik hat sie das Vertrauen der Anleger im Ausland, aber auch das der Bevölkerung in die eigene Wirtschaft, massiv beschädigt.

Lesen Sie in Teil 3 von "Auf und ab in der Pampa": Dritter Akt: Der steinige Weg bergauf

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