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Bereits Ende Oktober wurde ein wichtiges Gesetz im argentinischen Unterhaus verabschiedet, welches für die Zukunft der argentinischen Öl- und Gasindustrie entscheidend ist.

Mit dem neuen Gesetz kommen Reformen in Gang, die Argentinien bald wieder zum Exporteur von Öl und Gas machen könnten. Ohne ausländische Hilfe ist das Land nämlich nicht in der Lage ausreichend auf seine Vorkommen zuzugreifen.


Jahrelanger Vertrauensverlust

Das Land ist durch seine protektionistische Politik in den letzten Jahren international immer mehr ins Abseits geraten. Nicht nur die Verbindung zum internationalen Finanzmarkt wurde fast gänzlich zerstört, sondern auch das Vertrauen ausländischer Investoren. Zuletzt musste die Regierung eine 5 Mrd. USD Entschädigung an den spanischen Ölkonzern Repsol zahlen, dessen Mehrheitsbeteiligung am argentinischen Konzern YPF zwangsverstaatlicht wurde.

Nachdem Argentinien sich aus der Finanzkrise von 2001 befreien konnte, gerät es nun durch deren Folgen in die nächste. Durch den Rechtsstreit mit den US-Hedgefonds droht eine erneute Staatspleite. Im Moment entspannt sich die Lage jedoch etwas. Der argentinische Peso erholte sich in den letzten Wochen etwas von seinem massiven Kursverlust gegenüber dem Dollar. Grund waren vor allem eine Anleiheemission, die Verminderung des umlaufenden Geldes durch höhere Zinsen für Kleinanlagen und der gestartete Währungstausch mit China.

Zudem hat das im Hedgefonds-Rechtsstreit zuständige US-Gericht der Citigroup die Auszahlung einer 85 Mio. USD hohen Zinszahlung im Dezember genehmigt. Doch ob die tatsächliche Staatspleite abgewendet werden kann, bleibt wohl bis ins nächste Jahr hinein ungewiss. Umso wichtiger ist nun die bevorstehende Reform des Öl- und Gassektors. Mit dem neuen Gesetz geht man in die richtige Richtung.


Die große Hoffnung im Schiefer

Man will ausländischen Konzernen mehr Rechtssicherheit und bessere Bedingungen bei der Lizenzvergabe bieten, um verloren gegangene Vertrauen wiederzugewinnen. Damit wird auch die groß angelegte Förderung der Schiefergasvorkommen möglich. Argentinien verfügt über die größten der Welt. Alleine im Feld Vaca Muerte sollen rund 16,2 Milliarden Barrel Schieferöl und 8,72 Billionen Kubikmeter Schiefergas liegen. Deren Förderung gelingt aber nur mit ausländischem Know-how und Kapital.

Zur Entwicklung des Vorkommens sollen bis zu 200 Mrd. USD nötig sein, was nur große ausländische Konzerne stemmen können. Exxon Mobil und Chevron sind bereits am Bohren und Gazprom zeigt Interesse. Chevron hat dazu mit Argentiniens YPF ein Joint-Venture geschlossen. Sollte das neue Gesetz seine Wirkung zeigen, könnte Argentinien schon ab 2020 zum Selbstversorger werden und auch exportieren. Die Förderkosten sind durch die geologischen Gegebenheiten in Vaca Muerte zudem niedrig, wodurch eine Förderung auch bei den zurzeit sinkenden Öl- und Gaspreisen noch rentabel ist.

Für die immer kleiner werdenden Devisenreserven sind die Vorkommen eine große Hoffnung. Die Reserven sind seit Anfang 2011 von über 52 Mrd. USD auf rund 28 Mrd. USD gesunken. Ein Großteil der Staatsausgaben und somit auch Teile der Reserven in Höhe von jährlich rund 13 Mrd. USD fließen dabei in den Import von Energierohstoffen. Bezahlt werden müssen diese natürlich in US-Dollar.

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