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In Ägypten ging der Arabische Frühling in Flammen auf. Das Land am Nil schaffte es, nach der Revolution 2011, nicht zur Ruhe zu kommen und geriet in die nächste Krise. Muss wieder ein Offizier an die Macht? Das Militär könnte erneut die erhoffte Stabilität bringen.

Von der Demokratie scheint man sich in Ägypten mehr erhofft zu haben, aber sie konnte sich nicht durchsetzen. Die Geschicke des Landes legt man nun lieber wieder in alt bewährte Hände. Zu den nächsten, bis Mitte April stattfindenden Präsidentschaftswahlen, tritt wahrscheinlich wieder ein Mann des allmächtigen Militärs an. Abd al-Fattah Said Husain Chalil as-Sisi, ist 2012 Oberkommandierender der Streitkräfte Ägyptens geworden. Nun soll er, laut Aussage des Obersten Militärrates, nach dem Willen des Volkes neuer Präsident werden.


Blutbefleckte Hoffnung

Diesem Aufruf wird er wohl auch folgen und aller Wahrscheinlichkeit nach auch Präsident werden. Denn seit dem Sturz des gewählten Präsidenten Mursi im vergangenen Jahr, durch das von Sisi geführte Militär, hat ebendieses das Land wieder im Griff. Ein Soldat an der Macht wäre jedoch ein Rückschritt in das alte System. Denn seit Ausrufung der Republik 1953 wurde Ägypten von den Militärs regiert. Der letzte unter ihnen war Mubarak, der es auf fast 30 Jahre Amtszeit schaffte. Für ein Land, das jedoch nicht zur Ruhe kommen will, wäre es wohl die beste zur Wahl stehende Möglichkeit. Hauptsache das Blutvergießen findet ein Ende.

Stabilität ist vorerst das wichtigste. Und dies kann in einem so zerstrittenen Land nur das Militär geben. Denn es ist tief in die politischen und wirtschaftlichen Strukturen verstrickt. Das mit Sisi kein gemäßigter Offizier an die Macht käme bewies er bereits mehrfach. Während der Revolution 2011 verteidigte er die Verschleppung und Misshandlung von Demonstranten durch Sicherheitskräfte. Am 8. und 14. Juli vergangenen Jahres wurden Demonstranten die für Mursi und gegen ihn protestierten getötet. Berichten zufolge sollen Sicherheitskräfte an diesen beiden Tagen rund 1.000 Menschen erschossen haben. Insgesamt soll es seit dem Putsch über 2.000 Opfer gegeben haben.


Gute Beziehungen und großes Potenzial

Sisi könnte für Ägypten nicht nur Stabilität durch Kontrolle sondern auch viel ausländisches Kapital bedeuten. Denn Sisi hat Militärakademien in Großbritannien und den USA besucht. Er soll enge Beziehungen zum US-Verteidigungsministerium haben, was ihn wiederum in eine gute Position gegenüber den beiden großen Kreditgebern Weltbank und IWF bringt. Die wohl wieder gewonnene Stabilität wird er ohnehin mit Geldern aus den USA sichern. Dorther kommen nämlich jedes Jahr rund 1,2 Mrd. USD an Militärhilfen, die vornehmlich gegen Waffen von US-Rüstungsunternehmen zurück getauscht werden. Sie wurden zwar 2013 um 260 Mio. USD gekürzt, dürften aber bald wieder das alte Niveau erreichen.

Das alte Niveau wäre auch beim Wirtschaftswachstum zu wünschen. Seit den Neunzigern konnte man dort ein durchschnittliches Wachstum von fast fünf Prozent vorweisen. Bis zur Revolution wurde Ägypten immerhin noch als zukünftiges Schwellenland gehandelt. Nach Südafrika ist es das am stärksten industrialisierte Land Afrikas und erwirtschaftet rund 50 Prozent des BIP im Dienstleistungssektor. Ein Ende der Gewalt würde auch eine der größten Einnahmequellen, den Tourismus, wieder zum sprudeln bringen. Zudem ist Ägyptens Wirtschaft, aufgrund des geringen Exportvolumens, stark auf den Binnenmarkt und auf Aufträge der Regierung angewiesen. Am Aktienmarkt ist zunehmende Stabilität bereits seit dem Putsch zu sehen. Der Leitindex des Landes, der EGX 30 Index, legte seit Ende Juni 2013 um rund 65 Prozent zu. Ein stabiles Wachstum welches sich in einer entspannten Lage fortsetzen dürfte. 

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