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Was wäre Ägypten ohne den Tourismus und was der Tourismus ohne Ägypten? Die aktuelle Lage setzt dem wichtigen Wirtschaftszweig jedoch stark zu. Trotzdem ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Massen an Besuchern zurückkehren.

Kaum ein Land kann auf eine so lange Geschichte zurückblicken. Eine Geschichte des Tourismus. Seit Thomas Cook 1869 die erste Pauschalreise anbot und seine Kunden nach Ägypten führte, ist das Land am Nil ein Besuchermagnet. Denn es hat viel zu bieten. Von den Zeugnissen seiner 6000 jährigen Geschichte, wie den allen bekannten Pyramiden, bis hin zu Flusskreuzfahrten und Tauchsportgebieten findet man eine Fülle von Möglichkeiten, seinen Urlaub zu verbringen.


Wichtiger Wirtschaftszweig

Seit 2011 jedoch die Revolution ausbrach und das relativ stabile Regime von Hosni Mubarak beendete, kommt das Land nicht mehr zur Ruhe. Das bekommt natürlich auch der Tourismus zu spüren. Er ist mit 15 Prozent am BIP eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes und Arbeitgeber für Millionen von Menschen. Im Jahr vor der Revolution kamen über 14,7 Mio. Menschen in den arabischen Staat. Als die Proteste ausbrachen und Reisewarnungen ausgegeben wurden, brachen auch die Zahlen ein. Selbst die Zahlen für die 2011 angegebenen 9,8 Mio. Besucher sollen noch geschönt sein.

Wie wichtig der Tourismus auch für andere Bereiche ist, sieht man vor allem an den Arbeitslosenzahlen. Im Zuge der Revolution verloren rund 3 Mio. Ägypter ihre Arbeit. Die meisten davon waren in der Tourismusbranche beschäftigt. Jeder sechste Arbeitsplatz in Ägypten hängt von den Besuchern aus dem Ausland ab. Und in einem Land, wo die Analphabetenquote bei fast 50 Prozent liegt, ist der Tourismus neben der Landwirtschaft oft die einzige Möglichkeit einen Job zu bekommen und etwas Geld zu verdienen.


Krisenerfahren

Steigende Arbeitslosigkeit und somit stärkere Armut war dann auch ein Grund für weitere Proteste. Als der Islamist Mursi 2012 zum Präsident gewählt wurde, fürchteten sich viele vor dauerhaft niedrigen Besucherzahlen. Das Militär beendete seine Amtszeit jedoch schneller als vermutet und muss nun wieder Ruhe ins Land bringen. Solange der Krieg zwischen dem Militär und den Islamisten jedoch nicht beendet ist, bleiben die Touristen aus Angst dem Land fern. Es ist eine begründete Angst. Im Februar verübten Terroristen einen Bombenanschlag auf einen Reisebus und töteten vier Menschen. Seitdem drohen sie mit weiteren Anschlägen.

Doch das oft als perfektes Urlaubsland bezeichnete Ägypten hat schon einige Krisen überwunden. Anschläge mit dutzenden ermordeter Touristen gab es bereits 1997, 2004, 2005 und 2006. Es dauerte danach jedoch meist nur wenige Monate und die Besucher kamen zurück. 2010 waren es fast dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor. Das lässt die Optimisten hoffen und Pläne schmieden. Ägyptens Tourismusminister will schon 2017 bis zu 30 Mio. Besucher ins Land führen und setzt dabei vor allem auf Touristen aus den auftrebenden Märkten in Lateinamerika, Afrika und Asien.


Eine Frage der Zeit

Auch Unternehmer wie Samih Sawiris der mit seiner in der Schweiz notierten Orascom Development Holding eine ganze Unternehmensgruppe führt, glaubt an die Zukunft des Tourismus. Seine vor allem im Bau- und Tourismusgewerbe aktive Unternehmensgruppe muss zurzeit Verluste verkraften. Nach rund 79 Mio. EUR in 2012 rechnet man in 2013 mit bis zu 130 Mio. EUR Verlust. Seitdem er 1989 ins Tourismusgeschäft eingestiegen ist, hat er jedoch einige Krisen überstanden. Wie Sawiris kann man auch in Ägypten  insgesamt auf die Vorteile wie geringe Hotelbetriebskosten, vier internationale Flughäfen und die Möglichkeit eines ganzjährigen Tourismusbetriebs setzen. Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Besucher dem Land wieder auf die Beine helfen.

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