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Die russischen Stahlhersteller verzeichnen derzeit steigende Umsätze und Gewinne. Im Gegensatz zu ihren angeschlagenen Konkurrenten profitieren sie von den Krisen.

Während die Konkurrenten in Westeuropa und den USA mit Einbußen bei den Einnahmen zu kämpfen haben und Chinas Konzerne mit dem Abbau von Überkapazitäten teilweise um ihr Überleben kämpfen, verdienen sich Russlands Stahlproduzenten eine goldene Nase.


Währungseffekte und niedrige Kosten

Vor allem der Wertverfall des Rubel spielt ihnen hierbei in die Hände. Im Zuge der Sanktionen des Westens gegen Russland und der dadurch noch weiter verschärften Wirtschaftskrise fiel die russische Währung im Januar auf ein Rekordtief von 86 Rubel je US-Dollar. Innerhalb eines Jahres büßte die Währung somit 23% ihres Wertes ein und im Vergleich zum Euro sogar 26%.

Stahlproduzenten wie Severstal erfreut diese Entwicklung, denn sie exportieren gut die Hälfte ihrer Produktion gegen Bezahlung in Euro und Dollar ins Ausland. Die Währungseffekte senken somit die ohnehin schon niedrigeren Lohn- und Materialkosten der Konzerne, die schätzungsweise rund 50% unter den Kosten der Konkurrenten aus Westeuropa liegen und sogar unter denen der Konkurrenten aus China.

Severstal gibt die Produktionskosten für Stahlplatten im ersten Quartal dieses Jahres mit nur 177 USD je Tonne an. Zu den niedrigen Herstellungskosten hat in den letzten Jahren zudem eine deutliche Effizienzsteigerung beigetragen. Bei solch niedrigen Preisen können selbst die von der EU verhängten Strafzölle von bis zu 26,2% auf russische Stahlprodukte kaum etwas bewirken.


Europas Konzerne stecken in der Klemme

Europas Stahlkocher wie Arcelor Mittal und ThyssenKrupp stehen somit nicht nur unter dem harten Konkurrenzdruck aus China. Dessen Konzerne werfen ihre, in den letzten Jahren durch den Bauboom und staatliche Subventionen, angehäuften Überkapazitäten zu Dumpingpreisen auf den Markt. Denn selbst der Herstellungspreis ist trotz eines deutlich höheren Energieverbrauchs aufgrund niedriger Löhne, geringerer Materialkosten und weniger Emissionsgesetzten deutlich niedriger.

Der durch die weltweit nachlassende Nachfrage und die chinesische Stahlschwemme ausgelöste Preisverfall bei den Stahlpreisen macht die Produktion in der EU unwirtschaftlich. Mit Preisen von 360 EUR je Tonne für Stahl aus China können die Konzerne, trotz zuletzt wieder anziehender Preise, nicht mithalten. Zuletzt stiegen sogar die ebenfalls in Bedrängnis geratenen Stahlproduzenten aus Japan und Südkorea mit in den Preiskampf ein.


Steigende Nachfrage im Inland

Russlands Stahlkonzerne profitieren derzeit aber nicht nur vom Export und dessen gestiegenen Preisen, die gemessen an einer Benchmark aus Sowjetzeiten mit einem Plus von 73% auf über 437 USD je Tonne seit Dezember deutlich angestiegen sind, sondern auch von einer steigenden Binnennachfrage. Hier sehen die Konzerne auch noch weiteres Potenzial für mehr Gewinne.

Die sonst höheren Binnenpreise liegen derzeit 30% unter den Exportpreisen. Im Mai wollen die russischen Stahlkonzerne die Inlandspreise deshalb um 20% anheben, um die Lücke zu den Exportmärkten zu schließen. Der Anstieg des Cash-Flows und der Dividenden der Stahlproduzenten wird somit einen weiteren Schub bekommen.


Starke Position

Mit ihren Gewinnen und der niedrigen Nettoverschuldung sind Russlands Stahlhersteller somit gut gerüstet für den Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Solange der Rubel niedrig bleibt haben selbst die chinesischen Konzerne, die zu 90% rote Zahlen schreiben und im vergangenen Jahr umgerechnet 14 Mrd. EUR an Verlusten einfuhren, keine Chance.

Severstal JSC (ISIN: US8181501045) erwartet in diesem Jahr einen Gewinn von 1,02 Mrd. USD, Novolipetsk Steel OJSC (ISIN: US67011E2046) einen Gewinn von 727 Mio. USD und Magnitogorsk Iron & Steel (ISIN: US5591892048) immerhin noch 466 Mio. USD.


Intensität des Preiskriegs nimmt zu

Der Konkurrenzkampf wird jedoch weiter zunehmen. Während die USA bereits Strafzölle von bis zu 250% gegen Importe aus China verhängt hat, werden die Konzerne in der EU derzeit mit den niedrigen Strafzöllen von unter 30% kaum geschützt und sehen sich zur Konsolidierung gezwungen, um Vorteile wie einen niedrigeren Energieverbrauch überhaupt erst wieder ausnutzen zu können.

In China ist eine Konsolidierung mittlerweile unausweichlich. Die privaten Konzerne haben bereits zigtausende von Stellen abgebaut und die Produktion gedrosselt, doch sie haben keine Chance gegen die staatliche Konkurrenz, die einen großen Einfluss auf die Materialpreise hat und vom Staat subventioniert wird, um Arbeitsplätze zu erhalten. Es wird trotzdem noch mehrere Jahre dauern, bis die enormen Überkapazitäten von schätzungsweise 400 Mio. Tonnen wie angekündigt abgebaut sind.

Bis dahin versuchen Chinas Unternehmen die Kosten weiter zu drücken. Da in China der Preis für Eisenerz seit Dezember um 44% angestiegen ist wird der Ankauf von günstigerem Metallschrott von 70 Mio. Tonnen in 2015 auf bis zu 130 Mio. Tonnen bis 2018 verstärkt. Der Preisdruck nimmt somit vorerst ohne eine stark ansteigende weltweite Nachfrage kein Ende und wird auch für Russlands Konzerne, die Hauptsächlich Eisenerz zur Stahlherstellung verwenden, ein größeres Problem werden.

Mit Material von Bloomberg

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