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Die im Herzen von Ostafrika liegende Republik Uganda fällt im Moment wirtschaftlich gesehen durch ihre Leitzinserhöhungen auf. Am Montag hob die Bank of Uganda den Leitzins um weitere 1,5% auf nun 16% an.


Es ist bereits die vierte Zinserhöhung der Zentralbank in diesem Jahr. Mit den Schritten begonnen hatte die Bank unter Leitung von Gouverneur Professor Emmanuel Tumusiime-Mutebile im April bei 11%. Von da an folgte nun mit Ausnahme des Monats Mai monatlich eine Zinsanhebung.

 

uganda schilling

 

Wertverlust des Schilling treibt die Inflation


Ursache für das Eingreifen der Zentralbank ist die ansteigende Inflation. Im April stieg diese von 1,9% sprunghaft auf 3,6% und im Mai auf 4,9% an. Verursacht wurde der Anstieg vor allem durch die Lebensmittelpreise. Die Inflation lag hier im Juli mit 5,9% nur etwas niedriger als mit 6,1% im Juni. Unter Ausschluss der Lebensmittelpreise stieg die Inflation auf Basis des Verbraucherpreisindizes um 3,9% an. Einen extremen Anstieg der Inflation verzeichneten die Preise für Energie, Treibstoffe und Versorgung. Hier stieg die Inflation von 1,9% im Vormonat auf 6% im Juli an.

Die Straffe Geldpolitik soll den Risiken des Inflationsdrucks vorbeugen und die mögliche Volatilität der Währung, des Uganda-Schilling (UGX) eindämmen. Im Juli stieg die annualisierte Inflationsrate dann auf 5,4% an, nachdem sie mit 4,9% im Vormonat unverändert blieb. Ebenfalls bei 4,9% lag die jährliche Inflation für das im Juni geendete Fiskaljahr 2014/2015. Die Zentralbank versucht nun die Inflation im einstelligen Bereich und unterhalb der gesetzten Linie von 5% zu halten.

Ursache für die ansteigende Inflation ist derweil eine anhaltende Abwertung der Landeswährung. Der Uganda-Schilling verlor im Juli im Vergleich zum US-Dollar rund 17% an Wert. In den vergangenen zwölf Monaten hat er bereits über 35% seines Wertes eingebüßt. Aktuell notiert die Währung wieder bei 3.540 Schilling je Dollar. Unternehmen und Banken sorgen zurzeit für eine hohe Nachfrage nach dem US-Dollar, um die Importe des Landes zu bezahlen. Durch die Zinserhöhungen will man nun die Liquidität im Markt erhöhen.

 

Uganda Kinder

 

Kinderreiches Land


Die von Winston Churchill einst als „Perle Afrikas“ bezeichnete ehemalige britische Kolonie bietet trotz seiner blutigen Vergangenheit, die vor allem mit den Präsidenten Milton Obote und dem als Inbegriff des brutalen Gewaltherrschers geltenden Idi Amin verbunden ist, derzeit eine für Afrika sehr stabile politische Lage und ist auch für Touristen wegen seiner Nationalparks zunehmend intewressant. Seit 1986 ist Yoweri Kaguta Museveni der Präsident. Er hat Uganda trotz mehrerer innerer und äußerer Konflikte auf einen stabilen und aufstrebenden Weg gebracht.

Die mittlerweile wohl auf über 39 Mio. Einwohner angestiegene Bevölkerung bietet für eines der kleineren afrikanischen Länder eine gute Basis für eine zukünftige wirtschaftliche Entwicklung auf Konsumbasis. Vorreiter dürfte auch hier der Mobilfunksektor, gefolgt vom Bankensektor werden. Vor allem der demografische Vorteil, 48% aller hier lebenden Menschen sind unter 15 Jahren, sticht hier hervor.

Doch die junge Bevölkerung stellt Uganda auch vor Probleme. Das Land hat eine der höchsten Geburtenraten des Kontinents. Die Regierung muss in den nächsten Jahren Millionen von Arbeitsplätzen schaffen um die Armut im Lande nicht weiter ansteigen zu lassen. Die Jugendarbeitslosigkeit soll jetzt schon bei 80% liegen. Auch eine Aufklärung der Bevölkerung, um der immer noch traditionell veranlagten Polygamie und den großen Familien mit durchschnittlich sechs Kindern entgegenzuwirken und eine Überbevölkerung zu vermeiden.

 

 

Gefährdete Exportwirtschaft


Trotz der Probleme weist Uganda seit Jahren mit wenigen Ausnahmen ein hohes Wirtschaftswachstum aus. Nachdem 2005 und 2008 Raten von über 10% erreicht wurden, liegt das durchschnittliche Wachstum nun bei rund 6%. Auch in diesem Jahr soll es durch öffentliche Investitionen, eine gestiegene Kreditaufnahme im privaten Sektor und eine Erholung der Landwirtschaft auf diesem Niveau bleiben.

In der Landwirtschaft liegt jedoch eine der Gefahren für Uganda. Rund 50% der gesamten Exporte bestehen aus Tee, Fisch, Tabak, Bananen und Kaffee. Durch den Anbau von Letzterem bestreitet das Land bis zu 30% seiner Exporte. Der niedrige Kaffeepreis und die zunehmende Gefährdung der Anbauflächen durch den Klimawandel setzen dieses Standbein unter Druck. Während rund 82% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig sind, ist sie nur für etwas über 21% der gesamten Wirtschaftsleistung verantwortlich, da die meisten Menschen nur für ihren Eigenbedarf anbauen.

Aber auch die mit rund 20% anteilige Industrie basiert mit seinen Sektoren Zucker, Tabak, Brauereien und Textilien größtenteils auf der Landwirtschaft. Die restlichen wichtigen Industriezweige wie Zement und Stahl leiden ebenfalls unter niedrigen Rohstoffpreisen. Als Hoffnung für die Exporte und somit das enorme Handelsdefizit galt bisher das Erdöl.

 

 Uganda Viktoriasee

 

Große Importabhängigkeit


Nachdem man in 2006 am Albertsee auf Vorkommen gestoßen war, erhoffte man sich im Land einen kleinen Öl-Boom. Die Regierung ließ vor kurzem 16 ausländische Unternehmen für die Ausschreibung von sechs Blöcken des Vorkommens zu. Der aktuelle Preiseinbruch beim Öl auf rund 50 USD pro Barrel macht eine Förderung, deren Kosten bei rund 80 USD liegen sollen, jedoch zunehmend unrentabel.

Uganda wird somit weiterhin mit dem Handelsdefizit das 2014 bei fast 2,1 Mrd. USD lag zu kämpfen haben. Während man für 2,66 Mrd. USD exportierte, importierte man Waren für 4,71 Mrd. USD. Die Regierung muss zunehmend ausländische Investoren anlocken und vor allem selbst in den Ausbau der jetzt schon überlasteten Infrastruktur investieren.

Die Börse von Uganda ist für ausländische Investoren relativ uninteressant. Es gibt nur 16 gelistete Unternehmen, von denen die Hälfte aus Kenia ist und die damit auch über die Börse in Nairobi handelbar sind. Anleger die in kenianische Aktien oder diese enthaltende Afrika Fonds investieren, haben somit indirekt einen kleinen Anteil am ugandischen Wirtschaftswachstum.

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